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Liebe - gleichgeschlechtlich

Im ZEIT-Magazin Nr. 33 gibt es einen Bericht, der heißt " Wir Kinder vom Busbahnhof ". In dem Artikel geht es um junge, homosexuelle Palästinenser, die aus ihrer Heimat nach Tel Aviv geflüchtet sind. Dort werden sie genau so geächtet, nicht weil sie schwul sind, sondern weil sie als potentielle Terroristen gelten. Um zu überleben müssen sie sich prostituieren oder kriminell werden. Saleh, ein 28-jähriger aus Hebron erzählt seine Geschichte: Es war Herbst, in den Bergen um Hebron, wo er mit seinen Eltern in einem Vorort wohnte, wurden die Weintrauben geerntet. Ein Nachbar bat den Zwölfjährigen zu sich ins Haus. Er sagte, er wolle ihm etwas zeigen, ein Geschenk. Der Junge folgte ihm, ein Geschenk bekam er nicht, stattdessen wurde er vergewaltigt. Weinend rannte Saleh nach Hause, Blut lief über seine Beine. »Dann explodierte alles«, sagt er. Eine Stunde später stand sein Vater vor der Tür des Nachbarn. Die Männer redeten, der Nachbar gab Saleh die Schuld. Er habe i...

Synästhesie

Kürzlich las ich einen Artikel über die Sängerin Beth Jeans Houghton. Darin sagte sie, dass sie Töne sieht und Farben spürt. Der Grund für diese außergewöhnliche Wahrnehmung ist eine Kopplung der Sinne, was man Synästhesie nennt. Das Wort Synästhesie kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so etwas wie "Zusammenempfinden", erklärt wird es als Miterregung eines Sinnesorgans bei Reizung eines anderen. Es gibt unterschiedliche Arten von Synästhesie, darunter Menschen, die Buchstaben fühlen oder Worte schmecken können. Mich hat das fasziniert, es klingt spannend, aber auch nicht einfach, da ja alles, was nicht dem Durchschnitt entspricht, als nicht normal gesehen wird. Gut ist es immer dann, wenn das Kind einen Namen hat und somit einsortiert werden kann. Was aber, wenn ein Kind Probleme im Matheunterricht hat, weil es Zahlen mit Buchstaben verbindet und davon so abgelenkt wird, dass es die Schulaufgaben versemmelt? Wenn der Mathelehrer das Wort Synästhesie bisher nicht ge...

Der ideale Ort zum Auswandern

Unseren Urlaub verbrachten wir dieses Jahr in der Steiermark. Zuerst waren die Ziele Schottland, dann Türkei, später Teneriffa, bis mein Mann und ich feststellten, dass keiner von uns diesmal in ein Flugzeug steigen wollte. Dann also Auto, wohin? Dahin, wo wir schon immer hinwollten und es nicht geschafft haben - in die Steiermark. Wir mieteten ein betagtes, liebevoll renoviertes Häuschen mit altem Feuerherd auf einem Weingut östlich von Graz. Als wir den Reiseführer lasen, stellten wir fest, dass es nichts Spektakuläres gibt, das man unbedingt gesehen haben muss. Wir fuhren mit niedrigen Erwartungen los und es wurde einer unserer schönsten Urlaube. Unsere gastfreundlichen Vermieter luden uns nicht nur zum "Backhendl" ein, sie versorgten uns auch mit Obst aus der Region, in fester und in flüssiger Form. Dreiviertel unserer Familienmitglieder sind Pollenallergiker mit Kreuzallergien zu Kernobst. Sogar Äpfel aus rein biologischem Anbau verursachen oft ein pelziges Gefühl im...

Food Fighters - Genuss statt Überfluss

Hinter den Food-Fighters stehen vier Mainzer Köche, die sich dazu entschieden haben Lebensmittel, die nicht normgerecht sind und daher auf dem Müll landen würden, zu verwerten. Mit dem Motto "Teller statt Tonne" werden zu stark gekrümmte Gurken oder zu groß gewachsene Kartoffeln geschnippelt und vakuumverpackt oder auf dem Mainzer Wochenmarkt als Gericht angeboten. Ab September gibt es den Film "Taste The Waste" in den Kinos. Er handelt von der globalen Essensvernichtung.

Beziehungen sind wie ein freier Raum, in dem Geschichten erzählt werden

Heute las ich einen sehr interessanten Artikel des Münchner Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer . Es geht um Tipps zum Thema Rechthaberei. Zuerst bringt er ein Beispiel aus der Paartherapie. Rechthaberei anhand einer Szene aus dem Ehe- und Familienalltag. Und er rät zu Humor, denn Humor schafft Abstand. Abstand erleichtert es, die Komik zu erkennen, welche darin steckt, das Teilgute zu missachten, um das Absolutgute zu gewinnen, das - welcher Zufall - mich im Glanz des Rechthabens sonnt und den Gegner in den tiefen Schatten von Schuld und Beschämung stellt Unter dem Teilguten versteht er den Vater, der sich zwar vor dem Elternabend drückt, aber mit den Kindern ins Schwimmbad geht. Dafür könnte er auch gelobt werden, denn so ein Vater ist immerhin besser als gar keiner. Und eine Mutter, die den Laden schimpfend zusammenhält, verdient Anerkennung und keine Schelte für ihre Überlastung. Stattdessen wird auf dem Absolutguten, sprich dem Rechthaben beharrt, indem dem anderen Leistung...

symphatische Unperfektheit

Perfektion ist der Zustand, den viele von uns anstreben. Wir wären gerne perfekte Partner, perfekte Eltern, perfekte Töchter und Söhne und oft genug auch noch perfekte Arbeitnehmer oder Unternehmer. Frauen haben gerne eine perfekte Umgebung, einen perfekten Haushalt und einen perfekten Garten. Und der Aufwand für eine perfekte Erscheinung ist oft groß. Warum? Was ist das Gute an Perfektheit? Auch ich zähl(t)e mich zu dieser Kategorie (es lässt einen wohl nie ganz los) und strebte Perfektion auf ganzer Linie an. Heute ist mir klar, dass zum Einen die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Zuneigung dahinter steht. Was wir mit Perfektheit verbinden, ist: Machen wir alles gut, vielleicht sogar mehr als gut, besser, geben wir unser Bestes, dann gehören wir dazu, werden wertgeschätzt und gemocht. Und zum Anderen denken wir, dass Perfektheit uns unverletzlich macht. Perfektion soll unserem Schutz dienen. Wenn wir keine Schwachstellen mehr haben, keine Fehler machen, uns keine Blöße geben, abs...

Die unfriedfertige Frau - Ein Nachruf

Margarete Mitscherlich ist gestorben. Sie war eine der größten deutschen Psychoanalytikerinnen und eine erklärte Feministin. Mit ihrem Mann, Alexander Mitscherlich, veröffentlichte sie in den sechziger Jahren das Buch "Die Unfähigkeit zu trauern", in dem die unzulängliche Aufarbeitung des Dritten Reichs und die Abwehr jeder Mitschuld in der deutschen Nachkriegsgesellschaft thematisiert wurde. In den achziger Jahren veröffentlichte sie ihr Buch "Die friedfertige Frau" und legte dar, dass Frauen kein geringeres Aggressionspotenzial als Männer und ihr ausgleichendes Wesen nur erlernt haben. Ich habe immer vertreten, dass Frauen sich nicht nur gegen Männer, sondern auch gegen sich selbst durchsetzen müssen. Eine emanzipierte Frau ist in der Lage, sich von vorgefundenen Werten und Vorstellungen über ihre Rolle zu distanzieren Wie wahr. Vor zwei Jahren erschien ihr Buch "Die Radikalität des Alters" und von der Frau, die Schönheits-Operationen für neurotis...