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Das pisst mich an

Als ich gestern nach einer Rezension für ein philosophisches Werk suchte, kam ich auf die Seite von Helga König. Who the f... is Helga König? Ein Autorengroupie, das sich auf der Frankfurter Buchmesse mit Anselm Grün, Thomas Gottschalk und anderen illustren Persönlichkeiten ablichten lässt? Nein - Helga K. ist freie Journalistin, die sehr viele Bücher rezensiert, Interviews führt und mit ihrem Blog über Affiliates wohl auch am Verkauf der von ihr empfohlenen Produkte verdient.

Statt der Rezension, nach der ich suchte, kam jedoch ein Interview mit der Journalistin Tina Soliman. Frau Soliman schrieb vor einigen Jahren ein Buch über "Funkstille". Da ich mich darin nicht wiederfand, las ich es nicht. In einem Interview auf ihrer eigenen Seite, in dem sie auf das Thema Kontaktabbruch einging, dachte ich mir damals lediglich, dass sie, meines Erachtens, keine Ahnung vom Thema hat. Ich erinnere mich an eine Stelle, in der es hieß, dass Kontaktabbrecher in Familien ihre Identität hi…

Engel des Vergessens

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Im Oktober verbrachten wir einige sehr schöne Herbsttage im Süden Kärntens.
Als Kind verschlang ich die Bücher von Karl May, später hörte ich von den Karawanken und träumte von einer Reise "Durchs wilde Karawankistan".

Aus den Fenstern des urigen Holzhauses, in dem wir Unterschlupf fanden, hatten wir einen traumhaften Blick auf diesen Teil der Alpen.

Im Haus, das einer Familie gehört, lag ein Buch mit einer dazugehörigen DVD aus - Der Graben.
Es geht um die Geschichte des Ortes Bad Eisenkappel/Železna Kapla und seiner Umgebung. Um die Geschichte der slowenischen Minderheit, die schon lange in den Tälern (genannt Graben) auf Höfen lebt, und den Deutschkärtnern. Mich hat mal wieder das Trauma angezogen.

Im Buch schreibt die deutsche Regisseurin Birgit Sommer über ihre Beweggründe für den Film. Sie hat eine Geschichte gehört, die sie nicht mehr losließ.
Es ist die Geschichte eines Zwölfjährigen, dessen Vater zu den Partisanen ging. Viele der Kärtner Slowenen zogen nicht für die…

Wer bin Ich in einer traumatisierten Gesellschaft?

Das ist die Frage, die ich mir selbst schon seit einiger Zeit stelle.

"Wer bin Ich in einer traumatisierten Gesellschaft?" - so lautet der Titel des neuesten Buches von Franz Ruppert.

Ich habe dieses Buch so gelesen, wie ich als Kind eine Packung Marshmallows gegessen habe. Obwohl ich irgendwann wusste, dass es mir Bauchschmerzen verursacht, konnte ich nicht aufhören, es mir reinzuziehen. Dankbar, dass ich es hinter mir hatte, stopfte ich die Marshmallowtüte - noch kauend - in den Müll. Das Buch wanderte erst einmal ganz weit weg von mir. In mein Kellerregal. Ich konnte und wollte diesmal keine persönliche Rezension darüber schreiben. Heute entdeckte ich die beiden ersten, sehr positiven (wen wunderts?) Rezensionen auf dem A-Portal.

Dieses Buch ist sehr persönlich und mutig. Herr Ruppert outet sich als traumatisiertes Kind, das selbst der von ihm erstellten Trauma-Trias (nicht gewollt - nicht geliebt - nicht geschützt) unterliegt und als Erwachsener seine Traumata reinszenie…

Oma Schatzili, offene Räume und Sprache als Rettung

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Ich hatte mal einen englischsprachigen Freund. Der Großteil unserer Korrespondenz lief schriftlich und irgendwann erkannte ich, dass ich meine Komplexität nicht in die englische Sprache fassen konnte. Der Wortschatz, der mir zur Verfügung stand, gepaart mit allen Wörtern, die neu dazukamen und wissbegierig von mir aufgenommen wurden, steckte dennoch zu enge Grenzen, in die ich mich nicht fassen konnte. Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt, erkannte Ludwig Wittgenstein. Damals wurde mir klar, wie arm mich die englische Sprache fühlen ließ und wie reich die deutsche Sprache ist, in der ich zu Hause bin. Bereits als Grundschülerin verschlang ich jedes Buch, das mir in die Hände fiel. Die Bücher eröffneten mir unbekannte Welten und das Lernen neuer Wörter öffnete mir Türen in bis dahin verschlossene Räume. Über die Sprache lotete ich die Grenzen meiner (Innen-)Welt aus.

Dass Sprache auch offene Räume schaffen kann, erfuhr ich vor einigen Tagen, als die Urne einer ve…

Lesen Deine Kinder Deinen Blog oder Warum ich hier Seelenstriptease betreibe

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Heute erhielt ich folgende Frage einer mir bekannten Bloggerin:

Lesen Deine Kinder Deinen Blog? Bzw. könnten sie, wenn sie wollen würden?
Meine Antwort darauf:

Ein Blog ist öffentlich. Jeder kann es lesen. Wir haben jedoch noch nie über einen Post diskutiert.
Ich habe sie lediglich um ihr Einverständnis gebeten, wenn sie darin vorkamen.

Sie haben beide ganz andere Interessen als den Seelenstriptease ihrer Mutter zu verfolgen. Wie - übrigens auch - alle anderen Angehörigen. Ich schreibe das Blog auch nicht für sie. Ich schreibe für mich. Um meine eigene Entwicklung verfolgen zu können. Die Posts sind ein persönlicher Selbstausdruck. Ich mache mir dadurch ein Bild von mir selber. Ich lese die Posts immer wieder durch und spüre nach, ob sich das noch so anfühlt oder verändert hat. Manchmal bin ich über mich selbst erstaunt, was da aus mir kam. Manchmal bin ich versucht zu löschen, weil Scham aufkommt oder ein Gefühl von Schande. Dann nehme ich das als Gelegenheit, um damit zu …

Me too

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Ein großes Thema in meinem Leben ist Vertrauen.

Das große Leid in meinem Leben ist gefühlter Verrat.

Die schlimmsten Ereignisse sind die mit Menschen aus meinem innersten Kreis, von denen ich mich verraten fühle - der damit einhergehende Vertrauensverlust und der damit verbundene innere und meistens auch äußere Rückzug.

Als Kind, das sehr früh von seiner Mutter verraten und Missbrauch ausgesetzt wurde, konnte ich keine Herzensbindung zu meiner Bezugsperson entwickeln.

Die größte Sehnsucht in meinem Leben war eine wahrhaftige Verbindung, ein wahrhaftiger Austausch mit einem anderen Menschen. Dafür war ich zu wirklich (fast) allem bereit.

Vor zwei Jahren habe ich mich in einem Moment der Schwäche und Verzweiflung von einem Menschen aus meinem innersten Kreis getäuscht und verraten gefühlt. Ich war in einem Ausnahmezustand, da ich einen Tag vorher beinahe eines meiner Kinder verloren hätte. Im Krankenhaus, in das ich mein Kind fuhr, erlitt ich einen Nervenzusammenbruch. Mein Zustand war …

Zwei tollkühne Affen

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Mein Mann und ich wären gerne Musiker.

Er ein Gitarrengott und ich eine Bluesdiva. Im richtigen Leben führen wir eine kleine Werbeagentur, in der Fantasie geben wir manchmal bombastische Konzerte.

So kann es passieren, dass an einem Samstagmorgen, wenn der lang ersehnte Regen draußen die Natur aufatmen lässt, auch unsere sonnenverbrannten Gemüter unter diesem Geräusch zum Leben erweckt werden.
Der CD-Player spielt Chris Rea, die Hände meines Mannes verlassen die Laptoptasten um Luftgitarre zu spielen und mein Kugelschreiber wird zum Schlagzeugschlegel. Unsere Köpfe nicken im Takt, die Augen geschlossen - wir befinden uns in einer verr(a)uchten New Orleans Spelunke und spielen den Blues. So hartgesotten, dass wir morgens bereits mit Whiskey unsere Reibeisenstimmen ölen, sind wir nun doch nicht. Es reicht aber immerhin, um unseren Kaffee schwarz zu trinken. Unsere Füße, die Stricksocken werden zu Bikerboots, stampfen auf den Fliesenboden der Küche und wollen die Tassen zum Tanzen bringe…