Freitag, 10. März 2017

Ups - erwischt?

Wir wissen nicht,
was andere Menschen denken oder fühlen,
wir interpretieren ihr Verhalten
und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt.

Montag, 13. Februar 2017

Franz Ruppert: Krieg ist Terror und Terror ist Krieg, mit der Absicht zu traumatisieren

Im Dezember letzten Jahres wurde im SWR ein Vortrag vom Traumaprofessor Franz Ruppert über das "Trauma des Krieges" ausgestrahlt. Er dauert ca. 45 Minuten und erklärt in dieser kurzen Zeit die Auffassung von Herrn Ruppert von Trauma, durch Trauma veränderte Seelenanteile und die Täter-Opfer Struktur.
Er veranschaulicht auch, warum der Terror in unserer Mitte angekommen ist. Nicht alles, was Franz Ruppert über traumatisierte Flüchtlinge und Weltfriedensretter sagt, dürfte jedem gefallen. Denn das Trauma liegt auch noch über uns und damit muss alles verleugnet werden, was dieses Trauma anrühren könnte. Auch wenn es der Realität und Wahrheit entspricht.

Freitag, 3. Februar 2017

Erste Selbsthilfegruppe für Kinder, die den Kontakt abgebrochen haben

Immer wieder habe ich Anfragen zu Selbsthilfegruppen für Kinder, die den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen haben. Ich nahm Kontakt zu Frau Kuplich-Schramm auf, 1. Vorstand des Lastnerhauses in Ebermannstadt (Fränkische Schweiz) und Organisatorin des Vereins Consolare - Sag ja zum Leben. Das Lastnerhaus mit seinem Angebot für Verlassene Eltern wurde in der BR-Dokumentation "Wenn Kinder den Kontakt abbrechen" als Anlaufstelle für Eltern und Kinder vorgestellt.

Und siehe da - auch Frau Kuplich-Schramm hat bereits neben der Selbsthilfegruppe für Verlassene Eltern über eine für die andere Seite, nämlich die der Verlassenden Kinder, nachgedacht.

Nun gibt es ab 13. Februar 2017, 19.00 Uhr, eine offene Gruppe, für die sich alle angesprochen fühlen dürfen, die:
  • darüber nachdenken den Kontakt zu einem Elter oder ihren Eltern abzubrechen
  • die bereits den Kontakt abgebrochen haben
  • die von ihren Eltern verlassen wurden
  • die sich über das Thema "Kontaktabbruch" austauschen möchten
Das Angebot für diese offene Gruppe wird, so die Planung, weiterhin jeden 1. Montag im Monat  stattfinden. Ich persönlich werde am 13. März 2017 als betroffene Ansprechpartnerin teilnehmen und dann, je nach Nachfrage, jeden weiteren 1. Montag im Monat.


Falls ihr Fragen habt, wendet euch bitte an den Consolare e.V.. Für eine Mitfahrgelegenheit ab Erlangen könnt ihr euch gerne an mich wenden (info at leben-zuhoeren.de).

Dieses Treffen ist, meines Wissens, die erste SHG für Kinder, die den Kontakt abgebrochen haben, und ich bin gespannt, ob das Angebot angenommen wird. Kommt!



Montag, 23. Januar 2017

Die Wahrheit bringt den Wahn zum Verschwinden

Die Augen blicken gen Westen. Er ist auf den Titelseiten fast jeder Zeitung und Zeitschrift. Fotos von Gegendemonstrationen. Ein Plakat mit der Aufschrift "love trumps hate", darunter die Hassrede von Madonna. Der Papst sagt "abwarten. Hitler hat sich nicht die Macht ergriffen, das Volk hat ihn gewählt, daraufhin hat er das Volk zerstört". Und wir malen uns aus, was er als nächstes tun könnte. Noch machen wir Scherze, vielleicht vergeht uns wirklich bald das Lachen.

Was wir übersehen.
Es gab und gibt schon immer Propheten. Sogar im eigenen Land. Die trommeln nur leider nie so laut, dass sie gehört werden. Die, die schreien, die hören wir. Anstatt selbst etwas für uns und damit für die Gesellschaft zu tun, so lange wir es tun können, schreien wir dann in der Krise nach einem Führer und folgen dem, der uns am lautesten in die nächste Illusion führt. Wir sind so sehr beschäftigt, dass wir vergessen Verantwortung für uns selbst zu übernehmem. Das soll dann ein anderer tun. So lange wir uns selbst  davor scheuen unseren eigenen Wahrheiten ins Gesicht zu schauen, fördern und fordern wir den Wahn.
Wenn alle Menschen, ob Opfer oder Täter, über das sprechen würden, was ihnen jetzt noch unsagbar erscheint, und offen dafür wären, dass all das ans Licht kommen darf, was sie zu Tätern oder Opfern hat werden lassen, wäre die Psychiatrie in ihrer heutigen Form bald überflüssig. Und wenn es Eltern gelänge, sich ihre eigenen Traumata und Verstrickungen anzusehen und aufzulösen, wäre das die beste Therapie für ihre oft sehr belasteten Kinder. Es wäre zuleich die wirkungsvollste Präventionsmaßnahme, um der Angst, dem Hass, der Verzweiflung, der Verwirrung und der Gewalt in der nächsten Generation den Nährboden zu entziehen.
Die gemeinsame und öffentliche Beschäftigung mit den Ursachen psychischer Verletzungen und seelischer Verstrickungen und ihren generationsübergreifenden Nachwirkungen in Gruppen veränderungsbereiter Menschen kann ein neues Bewusstsein schaffen für das Zusammenleben von Männern und Frauen, Eltern und Kindern und den Menschen in einer Gesellschaft. Denn, was wir heute tun, kann noch in 100 Jahren Wirkungen haben - wir tragen dafür die Verantwortung im Guten wie im Schlechten. Wir sollten uns den Polaritäten von Mann und Frau, Täter und Opfer, Macht und Ohnmacht gemeinsam neu stellen, um neue Lösungen zu finden. Ein Herz für die Täter zu haben, hilft den Opfern. Die Ohnmacht anzuerkennen, macht offen für Hilfe. Die Wahrheit bringt den Wahn zum Verschwinden. Die Liebe heilt die seelischen Wunden. Heilung geschieht, wenn wir mit Liebe die Seelen von Menschen berühren.
Franz Ruppert "Trauma, Bindung und Familienstellen" (2005)

Freitag, 20. Januar 2017

Verlassene Kinder

Diese Woche habe ich Post von einer Leserin erhalten, die mich darauf aufmerksam machte, dass es auch von den Eltern verlassene Kinder gibt.
Stimmt, in einigen Foren habe ich darüber gelesen, dass manche Eltern sich auf sehr ähnliche Weise von den Kinder verabschieden, wie es Kinder bei ihren Eltern tun. Und so wie sich Eltern häufig den Kopf darüber zerbrechen, warum Kinder einfach gehen, so zerbrechen sich die Kinder den Kopf, warum Eltern plötzlich sagen "Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben".

Ob so oder so - in den meisten Fällen steht der Vorwurf im Raum "Ich bin dir sowieso egal". Eine Partei zieht sich dann in die Schmollecke zurück, weil sie sich zu wenig bekümmert fühlt.

Der Schritt von der Erziehung zur Beziehung ist ein schwieriger. Im Weg steht oft die Illusion der "heilen" Familie. Eine Familie kann aber nur so heil sein, wie es die einzelnen Familienmitglieder sind. Was Familien funktional macht, ist die Fähigkeit zur Herzensbindung. Ohne Herzensbindung gibt es nur Ersatzbindungen, die auf Anspruch und Erwartung an den oder die anderen beruhen. Für Herzensbindung braucht es Herzensbildung. Wer hatte das Fach in der Schule?

Montag, 2. Januar 2017

Verlassende Kinder

In letzter Zeit habe ich vermehrt Anfragen zu Selbsthilfegruppen von Kindern, die ihre Eltern verlassen haben.

Leider bin auch ich bei meinen Recherchen zum Thema "Verlassende Kinder" nicht fündig geworden. Es gibt (noch) keine Lobby für uns.

Seit Erscheinen der Bücher von Sabine Bode hat sich eine Bewegung formiert, die sich "Kriegsenkel" nennt. Vielleicht fühlt sich dort der ein oder andere aufgehoben.

Meine Erfahrung ist die, dass Kinder, die ihre Eltern verlassen, alleine dastehen. Von den eigenen Eltern und der Gesellschaft als verwöhnte, undankbare, selbstzentrierte Egoisten abgestempelt, ziehen sie sich mit ihren Selbstzweifeln zurück und haben bisher wenig bis keinen Ausdruck gefunden. Dass die Bindungsunfähigkeit der eigenen Eltern häufig die Wurzel für den Kontaktabbruch ist, dafür gibt es wenig Bewusstsein. Der Blick ist nach außen gewendet, materiell war doch alles da. Um zu verstehen, dass Gefühlskälte jegliche Form von Beziehung irgendwann erkalten lässt, auch die der Eltern-Kind-Beziehung, dafür müsste man den Blick nach innen wenden. Das hat uns aber keiner gelehrt. Da gerade diese verlassenden Kinder das Bindungstrauma ihrer Eltern anrühren, werden sie zu "Tätern" abgestempelt und die verlassenen Eltern sehen sich in der Opferrolle. Für das kollektive Trauma ist die Gesellschaft genau so blind und gefühlstaub wie die Eltern. Die Kinder sollen funktionieren wie sie das seit Generationen gemacht haben. Das tun sie aber nicht mehr. Sie wollen oder können nicht mehr das Öl im Getriebe sein. Sie sind der Sand, der unangenehm reibt.

Liebe Verlassende Kinder, ich kann euch zum heutigen Zeitpunkt leider keine Adressen von SHG´s geben, noch sehe ich eine Lobby für uns. Ihr seid auf euch gestellt, denn das, was mit dem Kontaktabbruch passiert, ist ein Tabubruch. Dieser Tabubruch ist Pionierarbeit und damit eine Veränderung in einem System, das sich vehement gegen diese Art von Veränderung wehrt. Der Mythos Familie ist unantastbar.

Auf meiner Homepage habe ich unter Tipps und Anregungen einiges verlinkt, was vielleicht weiterhelfen könnte.
Wenn ihr weitere und mehr Informationen habt, schreibt mir (info@leben-zuhoeren.de), ich freue mich.
Hoffnung ist eben nicht der Glaube daran, dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.

Mittwoch, 16. November 2016

Töchter narzisstischer Mütter

Das Buch "Will I ever be good enough?" von Karyl McBride gibt es seit Juni 2016 in deutscher Übersetzung. Im Probst Verlag wurde es mit dem Titel "Werde ich jemals gut genug sein? Heilung für Töchter narzisstischer Mütter" aufgelegt.

Es ist ein wohltuendes, stärkendes Buch.
Dr. McBride ist selbst mit einer narzisstischen Mutter aufgewachsen und erforscht als Ehe- und Familientherapeutin seit vielen Jahren die Situation von Kindern aus narzisstischen Familien, wobei sie sich in erster Linie für Töchter mit narzisstischen Müttern interessiert. Aus ihren zahlreichen therapeutischen Behandlungen hat sie ein Konzept zur Auflösung und Heilung des narzisstischen Erbes erarbeitet.

Das Buch deckt eine Verletzung auf, die wohl wesentlich öfter auftritt, als man vermuten möchte. Das Thema Narzissmus in Familien ist bei uns in Deutschland noch nicht wirklich angekommen.

Der Mythos von der bedingungslosen Mutterliebe wird hier entmystifiziert. Narzisstinnen sind Frauen mit geringem Selbstwert, die ihre Kinder nur zu einem Zweck bekommen - um von ihnen narzisstische Zufuhr in Form von Aufmerksamkeit und Bestätigung zu erhalten. Dafür arbeiten sie mit den subtilsten Mitteln. Narzissmus ist eine Spektrumskrankheit. Es gibt mehr oder minder starke Ausprägungen. An der obersten Schwelle findet sich Sadismus in Reinform. Narzisstische Mütter lieben das Gefühl von Macht und Kontrolle über ihre Kinder, die sie nicht als eigenständige Persönlichkeiten sehen, sondern als Erweiterung ihres Selbst.

Gerade Töchter bieten sich hervorragend als Projektionsfläche an. Da die Mutter selbst keinen Zugang zu ihren Gefühlen hat, projiziert sie ihr eigenes Gefühl von Wertlosigkeit in die Tochter. Wie sehr sich diese auch bemüht, es ist nie genug. Sie ist nie genug. Diese Überzeugung setzt sich fest und manifestiert sich in Töchtern, die leistungsorientiert sind und zur Perfektion neigen. Sie schaffen viel, für sich selbst aber nie genug. Oder in Töchtern, die zur Selbstsabotage neigen, weil sie früh verinnerlicht haben, dass, egal wie sehr sie sich auch bemühen, es sowieso nie gut genug ist.
Ob erfolgreiche Unternehmerin oder Hartz IV Empfängerin - die Seelenlandschaft dieser Töchter ist sehr ähnlich, nämlich leer.

Das Buch ist in 3 Teile gegliedert. In Teil 1 geht es darum das Problem zu erkennen. Teil 2 klärt auf, wie sich der Einfluss einer narzisstischen Mutter auf das ganze Leben auswirkt. Der dritte Teil des Buches enthält die Auflösung des mütterlichen Erbes. Es gibt Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Ich kann dieses Buch allen Frauen empfehlen, die eine konfliktreiche Mutterbeziehung haben.
Allen, bei denen es immer nur um Mutter geht.
Allen, die aus Familien kommen, in denen Geschwister in den Himmel gelobt werden, während man selbst ein Dasein als Nichts fristet.
Allen mit einem irrationalen Scham- und Schuldgefühl und dem Slogan im Ohr "Du bist an allem Schuld! Schäm dich!"
Allen, die als Fassadenwahrer in Familien herhalten dürfen, in denen es nur um den schönen Schein, aber selten um das Sein geht.
Allen, die denken, dass sie ganz viel TUN  müssen um eine Chance auf Liebe zu haben.
Allen, die - ungeachtet dessen, was sie als Arbeitnehmerin, Unternehmerin, Hausfrau oder Mutter geleistet haben - immer mit dem Gefühl rausgehen, dass es nicht gut genug ist, dass es Nichts ist, dass sie nicht genug sind.
Allen, die in Beziehungen festhängen, wo sich ein anderer um sie kümmern muss oder sie sich um einen anderen kümmern müssen.
Allen, die sehr viel Bestätigung von anderen brauchen.
Allen mit einem großen Mangel an Fürsorge, Aufmerksamkeit und Anerkennung.
Allen, die mit ihren Kindern Probleme haben, weil sie zwar nicht mit einer ausgeprägten narzisstischen Störung herumlaufen, aber doch mit der Stirnaufschrift "Ich bin auch als Mutter nie gut genug".
Allen, denen das Stigma überempfindlich, egoistisch, komisch, nicht ganz richtig, verrückt, unehrlich, aufgedrückt wurde.
Allen, die den Menschen in ihrer Umgebung das Gefühl geben, dass sie nicht genügen.

Das Lesen des Buches ist wie der Besuch bei einer guten Freundin, die die eigenen Gefühle in Worte fassen kann und dabei Tacheles redet. Es tut weh, aber der Schmerz kommt mit einer liebevollen Umarmung, Verständnis und einem wertvollen Rat. Seid es euch wert!

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Es wird vermutet, dass in Deutschland 1-4 %  der Bevölkerung an einer NPS (Narzisstische Persönlichkeitsstörung) leiden. Wer sich mit Narzissmus beschäftigt, muss irgendwann erkennen, dass diese Krankeit so gut wie nicht heilbar ist. Da Narzissten keine Fehler machen und völlig uneinsichtig sind, kommen die meisten gar nicht erst zu einer Behandlung, was auf eine hohe Dunkelziffer schließen lässt. Wer sich fragt, ob er Narzisst ist, schließt durch diese Frage alleine schon aus, an dieser Krankheit zu leiden. Ein Narzisst würde sich diese Frage nie stellen. Narzissten agieren subtil und gezielt. Sie suchen sich innerhalb der Familie ein oder mehrere Opfer aus, die sie drangsalieren, ignorieren emotional und/oder körperlich quälen und ausschließen. Auf der anderen Seite steht das "goldene Kind", das immer alles richtig macht und gelobt wird. Es dient als Projektionsfläche für die guten Eigenschaften der Mutter und wird genau so missbraucht wie der "Sündenbock". Das Modell ist auch auf die Arbeitswelt übertragbar.

Wenn Du Dich fragst, ob Deine Mutter narzisstische Anwandlungen hat, kannst Du Dir auf dieser Seite anhand aufgelisteter Eigenschaften ein Bild machen.