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Es werden Posts vom 2016 angezeigt.

Töchter narzisstischer Mütter

Das Buch "Will I ever be good enough?" von Karyl McBride gibt es seit Juni 2016 in deutscher Übersetzung. Im Probst Verlag wurde es mit dem Titel "Werde ich jemals gut genug sein? Heilung für Töchter narzisstischer Mütter" aufgelegt.

Es ist ein wohltuendes, stärkendes Buch.
Dr. McBride ist selbst mit einer narzisstischen Mutter aufgewachsen und erforscht als Ehe- und Familientherapeutin seit vielen Jahren die Situation von Kindern aus narzisstischen Familien, wobei sie sich in erster Linie für Töchter mit narzisstischen Müttern interessiert. Aus ihren zahlreichen therapeutischen Behandlungen hat sie ein Konzept zur Auflösung und Heilung des narzisstischen Erbes erarbeitet.

Das Buch deckt eine Verletzung auf, die wohl wesentlich öfter auftritt, als man vermuten möchte. Das Thema Narzissmus in Familien ist bei uns in Deutschland noch nicht wirklich angekommen.

Der Mythos von der bedingungslosen Mutterliebe wird hier entmystifiziert. Narzisstinnen sind Frauen mit geri…

Der Tr(i)ump(h) einer Kultur

Wenn dem Reichtum ein höherer Wert beigemessen wird als der Weisheit,
wenn fragwürdige Berühmtheit mehr bewundert wird als Würde,
wenn Erfolg wichtiger ist als Selbstachtung,
bewertet die Kultur das äußere Bild, das "Image" zu hoch
und muss deshalb narzisstisch genannt werden.

Aus Narzissmus: Die Verleugnung des wahren Selbst (1984) von Alexander Lowen

Schlag ins Gesicht

Vor 9 Jahren wurde offensichtlich, dass meine Mutter und ich uns nichts mehr zu sagen hatten.
Ich hörte auf, jede Woche meinen sonntäglichen Pflichtanruf bei ihr zu tätigen und ich beendete die Teilnahme an ihren Audienzen, die sie zwischen ihren vielfältigen Reisen hielt. Auch sie meldete sich nicht mehr bei mir.

Der Kontaktabbruch war jedoch nicht so weit fortgeschritten, dass wir uns nicht auf Familienfeiern begegnet wären.
Die letzte Feier, an der auch ich teilnahm, war die Kommunion meines Patenkindes.
Meine Mutter und ich wurden vorsorglich weit auseinandergesetzt. Zwischen uns stand jedoch meine Tochter. Im wahrsten Sinne des Wortes. Pflichtanrufe und Audienzeinhaltung wird nicht nur von den Kindern, sondern auch von den Enkelkindern erwartet. Meine Tochter hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie diese Anforderungen nicht pünktlich eingehalten hatte und sie versuchte, einer Diskussion aus dem Weg zu gehen.

Zwischen Mittagessen und Kaffee gab es Zeit für Bewegung. Einer der Gäs…

Herz II

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Meistens ist es nicht so wichtig WAS wir tun, sondern WIE wir es tun.

Jeder muss seinen eigenen Weg gehen.
Es gibt tausende Wege, auf denen man sich selbst entdecken und zu sich finden kann.
Lass Dir Deinen Weg von niemandem vorschreiben.   

Jeder Weg ist nur einer von Millionen  Wegen.
Deshalb musst Du immer daran denken, dass ein Weg nur ein Weg ist.
Wenn du glaubst, ihm nicht folgen zu dürfen,
dann darfst du unter keinen Umständen  auf diesem Weg bleiben.

Jeder Weg ist nur ein Weg.

Du beleidigst weder Dich noch andere, wenn du ihn verlässt, weil dein Herz es dir befiehlt.
Aber Dein Entschluss, auf dem Weg zu bleiben oder ihn zu verlassen, muss frei sein von Furcht und Ehrgeiz.

Prüfe jeden Weg gewissenhaft und gründlich.

Erprobe ihn, sooft Du es für nötig hältst.

Dann stelle Dir, und nur Dir selbst, die  Frage:

Hat dieser Weg ein Herz?
Alle Wege gleichen sich.
Sie führen nirgendwo hin.
Es sind Wege, die durch das Dickicht, in das Dickicht, oder unter das Dickicht führen.

Die einzig…

Mein Gewissen ist rein

Mein Gewissen ist rein.
Ich habe es nie benutzt.

So stand es auf einer Postkarte, die mein Mann und ich in unserem letzten Urlaub in einem Shop nahe des Wiener Naschmarktes entdeckten. Ich musste lachen und mit mir lachte der Shopinhaber. Wir stöberten in den zwei Kisten mit Spruchkarten und kauften ein. Karten, in denen wir uns selbst fanden, Karten, von denen wir dachten, dass sich unsere Kinder wiederfinden und Karten für Freunde, die noch analoge Post schätzen. Die Gewissenskarte blieb liegen. Es wäre die passende Karte für meine Mutter gewesen, aber ihr schreibe ich schon lange keine Urlaubspostkarten mehr.

Im Jahr 2007, da war ich 44 Jahre alt und Mutter zweier Teenager, fand ich endlich den Mut, meiner Mutter gegenüber eine Grenze aufzuzeigen. Bis dahin hatte ich nicht geschafft ihr etwas klar zu machen, was mir meine Kinder jeden Tag aufzeigten "Mama, halt dich da raus und lass mich mein Ding machen."
Die Auseinandersetzung entzündete sich an einer Banalität. Ich wo…

BR Fernsehen Frankenschau: Verlassene Eltern - Wenn Kinder den Kontakt abbrechen

Am 2. Oktober 2016 strahlte der BR in der Frankenschau eine kurze Reportage zum Thema "Verlassene Eltern - Wenn Kinder den Kontakt abbrechen aus".
Zu Wort kommen:

eine verlassene Mutter
eine Heilpädagogin des Trauernetz-Consolare e.V.
eine verlassende Tochter
ein Therapeut

Das Video ist zu sehen unter "Verlassene Eltern", allerdings ist in dieser Fassung der Studiogast Prof. Franz Ruppert nicht dabei. Wer seine therapeutische Unterlegung nicht verpassen möchte, müsste sich das Video, eingebettet in die ganze Sendung, unter "Frankenschau" ansehen (Beitrag beginnt bei 8 Minuten) oder den Video "Expertengespräch - Verlassene Eltern" anklicken.

Der BR war der Sender meiner Wahl, als ich zu Beginn dieses Jahres von verschiedenen Fernsehformaten für einen Beitrag angeschrieben wurde. Es kostete mich Überwindung und Mut einen weiteren Schritt an die Öffentlichkeit mit diesem Thema zu wagen (Danke an das großartige BR-Team!).
Nun hatte ich jedoch diesen…

Phönix-Runde zum Thema "Kriegsenkel - Wie wir den Krieg bis heute spüren"

Eine sehr gute Sendung zum Thema "transgenerationale Traumata" erschien im Mai 2015 unter "Phönix-Runde: Kriegsenkel - Wie wir den Krieg bis heute spüren". Ihr findet sie hier.

Die Teilnehmer der Runde sind:

Randi Crott - Journalistin und Autorin "Erzähl es niemandem! Die Liebesgeschichte meiner Eltern"
Sabine Bode - Journalistin und Autorin "Die vergessene Generation"
Jens Orback - Generalsekretär Olof-Palme-Stiftung und Autor "Schatten auf meiner Seele. Ein Kriegsenkel entdeckt die Geschichte seiner Familie"
Katrin Himmler - Großnichte von Heinrich Himmler, Publizistin und Autorin "Die Brüder Himmler - Eine deutsche Familiengeschichte"

Der therapierte Mann oder Männer kennen (k)einen Schmerz

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Der Mythos vom unkomplizierten Geschlecht
Gestern hatte ich kurzen Whatsappkontakt mit einer Freundin. Ich schrieb
Menschen, die von sich behaupten unkompliziert zu sein, sind noch viel anstrengender als die komplizierten. Es gibt nämlich keine unkomplizierten Menschen. Es gibt unbewusste. Ihre Antwort
Das, was man von sich behauptet, ist oft genau das Gegenteil von dem, was man ist. Wenn man unbewusst ist. Ihre Erkenntnis zu diesem Thema ist empirisch. Gewonnen auf einer Partnerschaftsplattform. Dort hat sie herausgefunden, dass die suchenden Männer gerne in ihrem Profil Eigenschaften angeben, die eher ihrem Wunschbild von sich selbst entsprechen als der Realität. Meine Freundin neigt zur Bodenständigkeit und hat, in meinen Augen, kein überzogenes Bild von Romantik. Deswegen glaube ich ihr, wenn sie sagt, dass Männer auf diesen Plattformen gerne von sich behaupten romantisch zu sein, sie aber selten unromantischere Begegnungen hatte. Ein Trick? Ein verschobenes Selbstbild? Keine Ahn…

50.000 Seitenaufrufe

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Ich danke allen Lesern meines Blogs für 50.000 Seitenaufrufe.




Verlassene Eltern und Kinder - Thema Entfremdung und Anspruch

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Gestern war der Bayerische Rundfunk bei mir. Zu Beginn dieses Jahres erhielt ich von vier Fernsehsendern Anfragen. Sie recherchierten zum Thema "Verlassene Eltern - Wenn Kinder den Kontakt abbrechen", aber auch zu einer Dokumentation über "Narzisstische Eltern". Nun - ich entschied mich für einen regionalen Sender Interviewpartnerin zu sein. Den Ausstrahlungstermin der kurzen Sendung werde ich noch bekannt geben. In diesem Post möchte ich vorab darüber schreiben, was mich zwischen Anfrage und Dreh beschäftigte.

In den Vorgesprächen wurde desöfteren das Wort Entfremdung verwendet. Zunächst gefiel mir dieses Wort recht gut für das, was zwischen Kindern und Eltern passiert, bevor der Kontakt abbricht. Je öfter ich jedoch dieses Wort für meine Geschichte verwendete, desto mehr fiel mir auf, dass es nicht wirklich passte. Warum nicht?

Entfremdung setzt voraus, dass einem etwas vertraut oder zumindest nah ist, bevor es einem fremd wird. Meine Mutter und ich teilten eine …

Vom Zähmen, sich Vertraut machen und der damit einhergehenden Verantwortung

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Ich habe gestern einen Spruch gelesen, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. 

Seit ich "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupery gelesen habe, begleitet mich das Gespräch vom Fuchs, der gezähmt werden möchte und dem Prinzen, der nicht weiß, wie das geht. Am Ende meint der Fuchs
"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“
Das hört sich wie eine schwere Bürde an. Wer sich im Laufe seines Lebens nicht mehr daran erinnern will, was und wen er sich alles vertraut gemacht hat, der sammelt Leichen im Keller, die irgendwann das Stinken anfangen und einen wie Zombies verfolgen können. Es hatte also einen Grund, warum mich dieser Spruch begleitete. Er hat mich an meine Verantwortung erinnert. Was aber ist Verantwortung? Der Prinz hat an dieser Stelle nicht weitergefragt. Gestern las ich die Antwort (für mich) auf die nicht gestellte Frage: 
"Sich für jemanden verantwortlich zu fühlen, heißt fähig und bereit sein zu antworten"Nun kön…

Dreißig Jahre Haft im falschen Film

So heißt das Manuskript des Bildhauers Gerhard Roese, der mit einem NAPOLA-Vater aufwuchs und dann selbst auf eine Elite-Anstalt geschickt wurde - die Odenwaldschule. Dass er dort zu den missbrauchten Kindern gehörte, macht er auch an seiner Erziehung fest. Er war das Kind der Familie, in dem der Vater das eigene Trauma ablegte, um es dann zu bekämpfen. Kinder, denen das widerfährt, sind die sogenannten "Sündenböcke" einer Familie. Sie dürfen für alles herhalten, was schief geht. Sie sind Schuld und sie fühlen sich schuldig. Das führt zu einer Demutshaltung, die wiederum Menschen anzieht, die ein Opfer suchen. Ein Teufelskreis, aus dem es Gerhard Roese herausgeschafft hat.

Den Artikel dazu, in dem es um transgenerationale Traumata geht, finden Sie bei deutschlandfunk.de.

Was auch immer geschieht

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Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken!

Erich Kästner

... indem er es einfach tat

In einem Interview fragt das ZEIT-Magazin Nr. 6 den Regisseur Bernardo Bertolucci, welche Rolle Pier Paolo Pasolini für ihn spielte. Seine Antwort:
Pier Paolo lebte lange Zeit mit seiner Mutter im selben Haus wie meine Eltern. Er hatte Gedichte geschrieben, Romane und Drehbücher, als ich ihn eines Morgens, ich war 19 oder 20, an der Tür traf. Er sagte: "Du liebst doch das Kino, richtig?" Ich sagte: "Ja, das stimmt." - "Okay, ich drehe bald meinen ersten Film, und du wirst mein Regieassistent sein!" Ich antwortete: "Aber Pier Paolo, ich habe das noch nie gemacht!" Und er sagte: "Ich auch nicht!" So bin ich jeden Morgen um sieben Uhr vom fünften in den zweiten Stock runtergegangen, habe an seiner Tür geklopft, wir liefen zur Garage, wo sein Alfa Romeo Giuletta stand und fuhren zum Dreh. Wir besprachen unterwegs, was wir an dem Tag drehen würden, manchmal erzählte mir Pier Paolo, was er in der Nacht geträumt hatte. Ich war vollkommen verz…

Jein!

Jein! ist ein Buch der praktizierenden Psychotherapeutin Stefanie Stahl. Ich las es auf Empfehlung einer Freundin, die mit dem Wort "Jein" einschlägige Erfahrungen machte. Das Buch war für sie ein Augenöffner.

Die meisten Beziehungsratgeber haben ja die Intention der Beziehungserhaltung. Anders in diesem Buch. Stefanie Stahl macht auf eine Art von Beziehung aufmerksam, die eher selten in einer zufriedenstellenden Beziehung (zumindest für einen der beiden Partner) endet, da einer der Partner eben gar keine Beziehung will. Es geht um Partnerschaften mit Bindungsängstlichen, bzw. Bindungsvermeidern. Jeder von uns hat in seinem Bekannten- oder Freundeskreis mindestens ein oder mehrere solcher Exemplare. Es sind die, die immer wieder auf Partnerschaftsplattformen unterwegs sind und nie wirklich längerfristig fündig werden. Es sind die Prinzessinnen, denen keiner gut genug ist oder die einsamen Wölfe, die ihre Freiheit brauchen. Es sind die Leute, die sagen "Ich liebe dich, a…

Wenn die Helden fehlen

In der neuesten ZEIT-Ausgabe gibt es einen Artikel von Adam Soboczynski. Wie er zugibt, ist ihm dieser Artikel aufgedrängt worden. Von einer Frau. Einer Frau, die fragt, warum sich deutsche Männer nicht um ihre Frauen prügeln. Wo in der Kölner Silvesternacht waren die deutschen Männer? Waren auf dem Platz nur deutsche Frauen, die von Männern nordafrikanischer Herkunft sexuell belästigt und ausgeraubt wurden? Nein, sie waren da. Händchenhaltend mit ihrer Liebsten standen sie auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof. Schockiert und wehrlos schauten sie dem Treiben zu. Im Artikel gibt es Bilder von lederleichtbekleideten Männern mit vielen Muskeln. Titelhelden aus Groschenromanen, die ausgedient haben. Welche moderne, emanzipierte Frau wollte noch einen Beschützer an ihrer Seite? Metrosexuell ist gefragt oder Männer mit Heinzelmännchenmützchen, die schick Jack-Wolfskin-verpackt Kinderwägen schieben und vegan kochen. Diese muskelbepackten Männer gibt es ja noch immer in unserer Gesellschaft. Al…

Ministerium für Glück und Wohlbefinden

Mal ehrlich, wer von euch weiß, dass es hier bei uns ein solches Ministerium gibt? Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen - Ministerium für Glück und Wohlbefinden.

Im Mai 2012 schrieb ich einen Post über Bruttonationalglück und anscheinend war ich im Flow, denn im November 2012 passierte folgendes:
Als die Kampagnenidee des „Ministeriums für Glück und Wohlbefinden“ im November 2012 in Form eines Semesterprojekts an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Mannheim entwickelt wurde, waren wir ein kleines Studententeam, das sich im Fach „Transmediale, integrierte Kommunikation“ der Aufgabe von Prof. Axel Kolaschnik widmete, eine Kampagne zu kreieren, die die Wertehaltung innerhalb unserer Gesellschaft verändert. Während unserer Recherchen sind wir zu dem Entschluss gekommen, uns ein Beispiel an dem kleinen Land Bhutan zu nehmen: Wir brauchen ein Ministerium für Glück und Wohlbefinden in Deutschland, um eine neue Bewegung und ein neues Bewusstsein ins Leben zu rufen und anhand…