Mittwoch, 18. November 2015

Mut

Jürgen Todenhöfer, der sich 10 Tage im IS aufhalten durfte, veröffentlicht einen Offenen Brief an den Kalifen, seinen Gastgeber.
Hut ab.
Es braucht Menschen mit Zivilcourage. Wenn der Terror Einzug hält ins Alltagsleben, wenn der Krieg nicht mehr woanders stattfindet, sondern vor der eigenen Tür, brauchen wir alle eine große Portion davon.
Ich bete für Frieden und Mut in den Herzen, für Frieden und Mut in Europa und überall auf der Welt.

Dienstag, 10. November 2015

40.000 Seitenaufrufe

Ich danke allen meinen Lesern.

Zur Entstehung dieses Blogs

Zu Beginn des Jahres 2012 riet mir mein Mann zur Erstellung eines Blogs. Ich vermute mal, dass damals mein Output an die Grenze des Erträglichen und Aufnehmbaren geriet. Es gibt ein großes Thema in meinem Leben: Die schlechte und gestörte Beziehung zu meiner Mutter, einhergehend mit Schuldgefühlen, permanent schlechtem Gewissen und Scham. Was unsere Beziehung so gestört hat, war damals nicht greifbar für mich. Ich machte eine Therapie und besuchte Seminare, die mir jedoch auf diese spezielle Frage keine Antwort geben konnten.

Im Jahr 2010 häuften sich die Meldungen von Missbrauchsfällen durch kirchliche Ordensdiener, sei es in Klosterschulen, Priesterseminaren, Waisenhäusern oder anderen kirchlichen Einrichtungen. Es war wie eine Welle, die sich plötzlich auftürmte und vielen Menschen den Mut gab, sich endlich zu offenbaren.

Kurz darauf häuften sich in den Medien Fernsehsendungen, Interviews, Artikel über Eltern, die von ihren Kindern verlassen wurden. Die Eltern fühlten sich als Opfer ihrer undankbaren Kinder. Es war ein Phänomen, das zu Selbsthilfegruppen von Verlassenen Eltern führte. Auch hier wurde plötzlich offenbart.

Und dann las ich die Bücher von Sabine Bode, die mir endlich eine Antwort gaben auf das, was in meinem Leben wirkte. Ihre Bücher beschreiben nicht nur die traumatisierte Kriegskindergeneration, über deren Trauma nie gesprochen wurde, ja, das nicht einmal wahrgenommen werden durfte, denn sie waren Kinder einer Generation von Verbrechern an der Menschheit. Ihre Bücher beschreiben die Generation der Kinder mit Kriegsvätern und derer mit Eltern, die während des Krieges noch Kinder waren und denen man es absprach, dass sie viel Leid mitbekommen hätten. Meine Mutter erlebte als 1939 geborenes Kind alle Schrecken, vor denen sich ein Kind nur fürchten kann. Verlust der Eltern, Vertreibung, Flucht, Heimatverlust, Trennung von der Großmutter, Trennung vom Bruder, Aufwachsen in lieblosen, missbräuchlichen Verhältnissen. All die Gefühle, die damit verbunden sind, wirkten auch in mir. Auf vielfältige Weise. Da ich keine konkrete Geschichte dazu hatte, wurden sie verlacht, verneint, ignoriert. Erst die Beschäftigung mit transgenerationalen Traumata verschaffte mir Erleichterung im Verstehen dieser diffusen und doch konkreten Gefühle.
Dazu kam, dass ich zu Beginn des Jahres 2010, hervorgerufen durch eine geschäftliche Veränderung, die starke Existenzängste hervorrief, sogenannte Flashbacks hatte. Es waren Erinnerungsfetzen an ein Erlebnis, das ich verdrängt hatte. Diese Flashbacks kamen in Intervallen. Es dauerte einige Monate bis sich die Fetzen zu einem Bild ergaben, einem konkreten Erlebnis. Die Unsicherheit, die mich mein ganzes Leben begleitete, da mir meine Gefühle abgesprochen wurden, tauchte auch hier wieder auf. War das wahr, was sich in meiner Erinnerung zeigte? Gehörte das zu meinem Leben oder zu dem meiner Mutter oder vielleicht sogar zu dem meiner Großmutter? Bilde ich mir das ein? Diese Fragen führten ins Nichts. Es braucht keine Bestätigung. Die Gefühle sind da, sie schaffen unsere Realität, halten uns gefangen. Es bringt keine wirkliche Befreiung Schuld zuzuweisen, sich als Opfer zu sehen. Ich durfte mich mit meinen Gefühlen auseinandersetzen, ihnen einen Platz geben, sie akzeptieren, Frieden mit ihnen schließen, anstatt sie zu ignorieren, zu verlachen, zu verdrängen, sie als unwahr zu bezichtigen.
Das Blog diente mir zur Selbsttherapie. Es war wohl an der Zeit mich zu offenbaren und es fiel mir leichter zu schreiben als zu reden. Der Prozess ist ersichtlicher, das geschriebene Wort überprüfbar. Es geht nicht um Wahrheit, denn die ist nie allgemeingültig. Es geht darum, dass es sich wahr anfühlt. Vor allem dann, wenn man es in den Äther hinausschickt.

Alle Themen rund um Trauma interessieren mich noch heute. Deswegen teile ich in diesem Blog weiterhin Artikel, die dieses Thema betreffen.
Auf meiner Homepage www.leben-zuhoeren.de gibt es Postzusammenfassungen speziell zum Thema "Verlassene Kinder - Verlassene Eltern"  und weitere Informationen zu generationsübergreifenden Traumata.

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