Freitag, 31. Januar 2014

bester Mann im Boot

Heute möchte ich einmal einem ganz besonderen Menschen danken: meinem Mann.

Während ich im Büro Freitagabend-Überstunden mache, holt er mir in der Kneipe unten ein kaltes Bier, stellt es mir in den Aufzug, schickt es hoch unters Dach und schreibt mir eine Nachricht, dass es dort für mich zur Abholung bereit steht. Dies ist ein Echtzeitdankeschön. Denn vor einer Minute habe ich es geöffnet und das, was noch an Arbeit auf mich wartet, flutscht jetzt. Bier und Musik, was will ich mehr?
Diese grandiose Aktion erinnert mich an die Flaschenpost, die ich als Kind mit meiner Freundin aus dem unteren Stockwerk hatte. Damals holte ich die Botschaften mit einer Schnur, an die ein Körbchen gebunden war, nach oben.

Das Bier ist übrigens ein Zirndorfer Landbier.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

Euer bierglücklicher Gedankenstreuner



Einladung


Out beyond ideas of wrongdoing and rightdoing, there is a field. I will meet you there.
Rumi

Auf diesem Feld würde ich gerne all diejenigen treffen, die ich in diesem Leben an ein Missverständnis verlor. An die Diskussion darüber, ob mein Verhalten richtig oder falsch war und darüber, ob ihr Verhalten richtig oder falsch war.
Wenn alle kommen, wird das die größte Party meines Daseins. Ich freue mich darauf. Darauf, dass wir uns einfach nur in die Arme fallen. Ohne Worte. Wissend.


 

Donnerstag, 30. Januar 2014

Verlorene Zeit

Am Wochenende waren wir auf einer Feier eingeladen.
Ich sprach mit einer Frau über ihren Sohn, der nun studiert. Er wollte sich nach dem Abitur ein Jahr Zeit lassen, aber der Vater war der Meinung, das wäre verlorene Zeit. "Sohn, du verlierst ein ganzes Jahr".

Unsere Tochter gehörte zum letzten G9-Jahrgang in Bayern, im Anschluss an das vorgezogene Abitur im März hätte sie sich nahtlos ins Sommersemester an der Universität einschreiben können. Sie brauchte eine Phase der Orientierung, des Luftholens und ging im Herbst zum Studieren. Zwei ihrer Großelter meinten, sie hätte nun "ein halbes Jahr verloren".

Am Montag hatte ich ein Gespräch mit einem Freund, der meinte, es würde ihn wütend machen, wenn er seinen Sohn anruft, fragt was er tue und dieser antwortet "Ich chille". Chillen ist das Antiwort schlechthin, es stehe für nichts anderes als Faulheit. Faulheit ist für manche Generationen sehr negativ belegt, Faulsein ist schlecht, für die junge Generation ist Chillen das größte schlechthin. Chillen ist positiv belegt. Es bedeutet sich eine Auszeit zu nehmen. Auszeit ist verlorene Zeit. Die Jugend verliert gerne Zeit.

Diese Aussagen lassen mich fragen "Welche Zeit geht verloren in all den Momenten, in denen wir leben, was auch immer wir tun, während wir leben?". Was ist verlorene Zeit? Zeit, die wir verpasst haben Geld zu verdienen, uns zu bilden, zu arbeiten, in die Rentenkasse einzuzahlen? Können wir Zeit überhaupt verlieren? Vergeht sie nicht einfach ungeachtet dessen, ob wir etwas tun oder nicht? Wenn wir Zeit verlieren können, können wir sie dann auch gewinnen? Wenn wir etwas noch schneller tun als alle anderen, haben wir dann einen Zeitgewinn? Und was dürfen wir tun mit der gewonnenen Zeit?

Gestern hörte ich die Geschichte einer jungen Frau, die keine Zeit verlor ein 1,2 Abitur zu machen und im Anschluss ein ähnlich gutes Staatsexamen. Als Referendarin war sie auch gerne gesehen, als es dann um eine Festanstellung als Gymnasiallehrerin ging, war keine zu finden. So lange nicht, dass sie sich nun dafür entschied irgendeine Arbeit zu tun, die sie Geld verdienen lässt. Was ist nun mit der Zeit, die sie nicht verloren hat? Und hat sie etwas dabei gewonnen? Was könnten die sagen, die darin übereinstimmen, dass sie fleißig und schnell war und keine Zeit verloren hat? Dass sie weder gechillt hat, noch faul war.

Haben die grauen Herren ganze Arbeit geleistet?

***

Dieser Beitrag ist Teil einer Themenzusammenfassung, die Sie unter "RaumZeiten" auf meiner Homepage finden.



Mittwoch, 29. Januar 2014

Gib niemals auf!

When you go through a hard period,
When everything seems to oppose you,
When you feel you can´t bear even one minute,
never give up.
Because it is the time and place that the course will divert.

Rumi


Mit Dank an einen Menschen, der mir 2007 in einem Moment, als ich etwas aufgeben wollte, sagte "Don´t give up, never give up". Die Augenblicke, in denen ich am liebsten etwas aufgeben oder aufhören möchte, gibt es immer wieder. Und dann ist er da. Mit diesem festen Blick und den entschlossenen Worten. Es gibt Momente im Leben, die halten ewig. Danke B.

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Sonntag, 26. Januar 2014

Blutrausch

Gestern bekam ich einen Link zugeschickt, dessen Fotos mich schockierten. Zuerst dachte ich, die Bilder wären manipuliert. So etwas kenne ich bisher nur aus Berichten von Japan, wo in der Bucht von Taiji Delfine zusammengetrieben und abgeschlachtet werden. Auf der Suche nach Prachtexemplaren, die teuer an westliche Zoos und Delfinarien verkauft werden.
So etwas gibt es auch auf den Färöer Inseln, nur dort ist es eine Tradition, die zurückgeht auf die Wikingerzeit. Viele Jahrhunderte diente die Jagd und das Erlegen von Grindwalen als Quelle für Nahrung und Vitaminversorgung. Die Fotos zeigen Menschen in Motorbooten, teilweise im Neoprenanzug. Getötet wird mit archaisch anmutenden Waffen. Weder Harpunen, noch Speere oder Schusswaffen dürfen benutzt werden. Um die Tiere orientierungslos zu machen, wird ihnen ein Haken ins Blasloch gerammt. Mehrere Männer ziehen sie mit Seilen an Land, wo sie mit einem Grindmesser getötet werden.
Das Erspähen einer Grindwal"schule" (die Tiere sind in großen Gruppen unterwegs) ist Zufall. Alles, was laufen kann wird informiert und mobilisiert. Ins Wasser gehen die starken Männer. Am Ufer stehen die Kinder, die schulfrei haben, die Frauen mit Kinderwagen und die Alten. Sogar Predigten sollen unterbrochen werden. Das Fleisch wird unter der Bevölkerung aufgeteilt. Es steht nicht zum Verkauf. Das Gemetzel ist heute nicht mehr nötig, da die Supermärkte voll mit subventionierter Ware sind. Die Männer fühlen sich beim gemeinsamen Töten als Männer.

Warum schockieren mich diese Bilder? Ist es das Wasser, das sich in der Bucht rot färbt? Sind es die modernen Menschen, die archaisch abschlachten? Ist es die Freude in den Gesichtern, deren Körper in blutrotem Wasser zwischen sterbenden Lebewesen stehen?

Ich kann diese Menschen nicht verurteilen, denn auch ich esse Fleisch. Und manchmal weiß ich nicht woher es kommt. Darf ich mich moralisch auf eine höhere Stufe stellen und empört mit dem Finger auf andere zeigen, nur weil ich das Schwein oder das Rind, das ich esse, nicht selbst jagen, töten und zerlegen muss? Zeige ich hier eine "Scheinempörung"? Woher will ich wissen, ob und wie das Tier, das ich esse, gelitten hat, bevor sein Blut in einer Rinne abfloss. Garantiert biologische Tierhaltung einen schmerzfreien Tod? Ich selbst sitze im Glashaus und fühle mich unfähig Steine zu werfen.
Die Bilder gehen mir nicht aus dem Kopf. Sie machen mich traurig. Es ist die Lust am Töten. Ich kenne das auch. Den Triumpf, wenn ich eine Mücke erschlagen habe, bevor sie mich stechen konnte. Sie wohnt uns allen inne, diese Lust. Egal, ob einem Tier niedere oder höhere Intelligenz zugeordnet wird. Wir töten.

Man kann argumentieren, dass dieser Vergleich ziemlich weit hergeholt ist, aber ich habe nun mal "The Work" von Byron Katie kennengelernt. Diese Methode hat mir die Augen geöffnet für die Tatsache, dass ich nur dann stark emotional auf Dinge reagiere, wenn ich sie selber kenne und dass ich den Anspruch, den ich an andere richte, erst einmal selbst erfüllen darf. Wo also sollte ich selbst aufhören lustvoll abzumurksen und mich auch noch toll dabei fühlen? Wo kämpfe ich modernst ausgestattet einen alten barbarischen Kampf? Wo denke ich fortschrittlich zu sein und es färbt sich noch immer alles rot und ich denke ich bin im Recht? Obwohl es schon lange jeglicher Berechtigung entbehrt und mich nicht mehr wirklich nährt, sondern vergiftet? An welcher Tradition halte ich fest, die mir schon lange nicht mehr entspricht?
Das bringt mich auf den Punkt.

Für die Färöer wird sich die Sache regeln. Früher oder später. Auch ohne meine Empörung. Sie können ihren alten traditionellen Kampf weiter kämpfen oder Verstand walten lassen und die neue verseuchte Umwelt akzeptieren. Um ihrer selbst willen.

Am 26. November 2008 wurde seitens der färöischen Gesundheitsbehörde erstmals davon abgeraten, überhaupt noch Grindwalfleisch zu essen. Als Begründung wird das nicht mehr tolerable Risiko der Parkinsonkrankheit aufgrund der Quecksilberbelastung genannt. Der Landesarzt Høgni Debes Joensen und der Oberarzt Pál Weihe erklärten:
„Wir geben diese Empfehlung in Trauer. Der Grind diente den Färingern über viele Jahrhunderte und hat in dieser Zeit wahrscheinlich vielen das Leben gerettet. Aber die Zeiten und die Umwelt ändern sich, und deswegen meinen wir, dass diese Empfehlung medizinisch nötig ist.“
Portal.fo: 26. November 2008[8]
Der färöische Gesundheitsminister Hans Pauli Strøm schloss sich daraufhin der Forderung nach einem Verzicht auf Grindwalfleisch an, betonte aber, dass es die Entscheidung jedes einzelnen sein müsse, ob er dem Rat folgt.
Eintrag Wikipedia

Mehr Informationen bei OCEANCARE.


Samstag, 25. Januar 2014

Unglückskeks gefällig?


Was haltet ihr vom Beruf Demotivationstrainer? Und was würdet ihr sagen, wenn man euch statt Glückskeksen Unglückskekse anbietet? Seitdem mir eine liebe, gutmeinende Freundin dieses relativ neue Berufsbild vorstellte, überlege ich ernsthaft, ob ich mich nicht bei Nico Semsrott als Praktikantin bewerbe. Da hätte ich dann mal gar nix zu lachen.

Macht euch ein Bild vom Demotivationstrainer. Wenig Spaß dabei :-(


Mittwoch, 22. Januar 2014

Wunsch


Was ich mir wünsche, wenn ich eine Wimper finde, was öfter vorkommt, als eine Sternschnuppe am Nachthimmel zu entdecken:
Freiheit in meinem Geist
Friede in meinem Herzen
Freude in meinem Ausdruck

15.000


Allen meinen Lesern ein herzliches Dankeschön für 15.000 Seitenaufrufe!




Dienstag, 21. Januar 2014

Kampagne "Ein Prozent" - Dank an unsere Blumenmarktfrau


Am Sonntag liefen wir voll von Frühlingsgefühlen mit vielen anderen 2- und 4-Beinern durch den Wald. Gestern saß ich im Auto und dachte mir "alles grau", sogar die Autos vor mir. Nur ein Smiley, der mit dem Finger in die graue Schmutzschicht gemalt war, lächelte mich an. Heute Schneeregen. Da ich weder Skifahrer noch Faschingsfan bin, ist der Beginn des Jahres für mich die tristeste Zeit. Ab 7. Januar beginnt mein Höhlenleben.
In unserem Büro steht ein Strauß mit gelben Tulpen und lila Anemonen, die ich bei unserer Blumenmarktfrau geholt habe.
Danke Frau K., dass sie bei Wind und Wetter auf dem Marktplatz stehen, immer bereit für ein Schwätzchen, und Ihr Stand ein bunter Tupfer im Januaralltagsgrau ist. Das hebt meine Stimmung!

Wie haltet ihr durch? Was sind eure bunten Tupfer im Alltagseinerlei?

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Sonntag, 19. Januar 2014

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein


Wie kann jemand mit 23 wissen, wie sich jemand mit 75 fühlt, der nicht den Mut hatte sein Leben zu leben?
Sie ist großartig.

Julia Engelmann One Day / Reckoning Text

Und das Lied dazu genau so.

Asaf Avidan // Reckoning Song (One Day)


Freitag, 17. Januar 2014

Essenz


Forget the nonsense of there and here, race, nation, religion, starting point and destination. You are Soul, and you are Love.

Rumi
Wenn es die Ablenkung nicht gäbe und wir immer und zu jeder Zeit wüssten, wer und was wir sind, gäbe es dann Leben?
Manchmal frage ich mich, ob wir das Leben in all seiner Schönheit und zugleich Hässlichkeit leben dürfen um letztendlich zu dieser Essenz zurückzukommen.
Wie gut tut es mit jemandem herzhaft zu lachen, wie schön fühlt es sich an, wenn wir jemanden anschauen und Zärtlichkeit in uns aufsteigt, wie wundervoll hört sich das Lied des Vogels an, der morgens um vier auf dem hohen Baum gegenüber den Frühling begrüßt. Wären wir nicht abgelenkt, würden wir das jemals so empfinden?


 

Donnerstag, 16. Januar 2014

Hundeleben


Wäre ich ein Hund, würde ich mir die Fähigkeit des "Kühlschranktüröffnens" wünschen.
Glücklicherweise bin ich ein Mensch. Puhhhh, Glück gehabt, eine Fähigkeit mehr, ein Wunsch weniger.

Hundeleben

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Dienstag, 14. Januar 2014

Gastbeitrag zu "mehr Verständnis für Alltagsgepflogenheiten anderer"

Heute habe ich einen Beitrag erhalten, der nicht unbedingt der Kampagne "Ein Prozent" zuzuordnen ist. Außer man möchte sagen "Danke Radio, dass es dich gibt".

erweiterte 1%
Gestern war ich bei einem Bekannten. Die Abende bei ihm sind meistens tiefgründig, füllend und erheiternd, und so habe ich gestern auch wieder etwas Neues dazugelernt.
Wir waren gerade auf dem Weg nach draußen, um spazieren zu gehen, als ich ihn vor der Haustür fragte, ob er nicht das Licht und das Radio ausmachen will und warum es bei ihm die ganze Zeit läuft.
Daraufhin bekam ich eine Antwort, die ich nicht erwartet hatte. 
Früher hatte er einen Wellensittich, der aber nach 9 1/2 Jahren gestorben ist (was, wie ich auch noch nicht wusste, alt für einen Wellensittich ist). Um in diesem Wellensittich nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, er wäre ganz alleine (was für uns Menschen auch ein schreckliches Gefühl sein kann), habe er immer das Licht und die Musik angelassen, wenn er aus dem Haus gegangen ist. Der Vogel hat es genossen "Gesellschaft" zu haben und immer fröhlich mitgezwitschert.
Doch er meinte, irgendwann sei er dahinter gekommen, dass Radio einen Vorteil gegenüber der ausgewählten Musik hat. Wenn man eine CD einlegt und anhört, ist das immer situativ bestimmt. Wenn man schlechte Stimmung hat, legt man Musik ein, die auf diese Stimmung eingeht oder vielleicht sogar noch verstärkt.
Der Vorteil des Radios sei, man fühle sich als Teil eines Kollektivs. Im Radio reden die Leute über ein Thema, es kann noch so banal sein, sie reden miteinander und man fühle sich als würde man mitreden, etwas zu sagen haben. Er sagte zu mir, dass er das Radio die ganze Zeit anlasse, um sich integrierter zu fühlen, als Teil der Gesellschaft. Dass er es auch anlässt, wenn er aus dem Haus geht, ist ein Überbleibsel seiner Wellensittich-Zeit, was er sich aus gutem Grund nicht abgewöhnen will.
Als ich mich nach dem Spaziergang von ihm verabschiedete und auf meinem Fahrrad nach Hause fuhr, dachte ich nochmal darüber nach, was ich gerade gehört habe. Ich finde es erstaunlich wie viel in einer kleine Sache stecken kann, wie das Radiohören.
Früher dachte ich Menschen machen es nur um sich einfach abzulenken, weil sie die Stille nicht ertragen können. Einige machen es vielleicht auch deswegen, was vollkommen in Ordnung ist. Nur manche Leute machen alltägliche Dinge zu einer tiefsinnigen Sache und füllen diese mit ihrer Weisheit.
Ich danke meinem Bekannten dafür, dass er mich in das Verständnis seines individuelle Radiohörens eingeführt und mir ein bisschen mehr Verständnis für den Alltag gegeben hat.
 
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genug gearschengelt - und Tschüss Robert Betz


Lieber eine gesunde Verdorbenheit als eine verdorbene Gesundheit
Wenn man die Wahl hat .... dann doch lieber zur eigenen Unheiligkeit stehen. Mann, habe ich heute schon gelacht. Das war nicht integer, so überhaupt nicht. Ich mag grad jemanden gar nicht. Wahrscheinlich, weil ich zum bescheidenen, sittsamen, reinen Veilchen erzogen werden sollte und einfach mal die Sau rauslassen müsste. Und über den Menschen, den ich gerade so gar nicht mag, weil er, meines Erachtens, die Sau so richtig rauslässt, schreibt jemand "der macht auf mich den Eindruck eines alten Schmierlappens". DANKE! Das war die Erlösung schlechthin. Ich schmeiß mich wech. Seidem löst sich alles auf und er darf die Sau rauslassen und schmierlappeln so viel er will. Ich musste mir einfach mal erlauben böse zu sein. Robert, du hast jetzt genug gearschengelt in meinem Leben. Du darfst jetzt die Bühne verlassen. Arschengel woanders. Ich danke dir für den Gastauftritt. Tschüsssssiiiiiiiii!


Montag, 13. Januar 2014

Von unordentlichen Töchtern, faulen Söhnen und anderen Arschengeln


Seid ihr ordentlich, sauber, fleißig und ehrgeizig? Und habt ihr ein Kind oder Kinder?
Sorry, aber Ordnung, Sauberkeit, Fleiß und Ehrgeiz sind kontraproduktiv in der Erziehung.
Warum? Ihr erzieht sie zu "Arschengeln". Gönnt euch mal eine Portion Unordnung, Dreck, Faulheit und Verweigerung. Dann kann auch wieder Freude aufkommen.

Von Arschengeln

Aber passt bitte auf, dass ihr nicht euren Kaffee verschüttet.




Weiterer Gastbeitrag zur Kampagne "Ein Prozent"

Vielen Dank an den Teilnehmer!

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Weihnachten 2013. Ich suchte noch ein paar Geschenke und wie immer standen auch Bücher auf
dem Wunschzettel. Die Zeit war knapp, also rief ich bei unserer Buchhandlung Rupprecht hier
vor Ort an und bestellte fünf Bücher per Telefon. In dem freundlichen Gespräch klärten wir die
Lieferzeiträume und Abholdetails in aller Ruhe ab. Ganz automatisch kam der Hinweis, dass die
Bücher auch verpackt werden könnten. Ein Angebot, welches ich natürlich gerne annahm. Ein
paar Tage später holte ich die Bücher ab – von einem etwas dickeren Band zum Thema Freud
über ein großformatiges Kochbuch bis zu kleineren Taschenbüchern junger Autoren. Alle hübsch
und sorgsam verpackt. Allerdings wäre es für mich schwierig gewesen, die verpackten Bücher
den richtigen Titeln und damit den zu Beschenkenden zuzuordnen. Zum Glück hatte jemand bei
Rupprecht mitgedacht und beim Einpacken jedes Buch mit einem kleinen „Titel“-Post-it versehen.
So wusste ich genau was hinter den Verpackungen steckte. Das war clever und hat mich echt
gefreut. Vielen Dank dem oder der unbekannten Einpackerin bei Rupprecht.


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Freitag, 10. Januar 2014

Die Welten in der Welt

Der Autor des Buches "New (C)Age", Johannes Fischler, studierte nicht nur Psychologie, sondern absolvierte auch Zusatzausbildungen im Wirtschafts- und Finanzbereich sowie im Online-Marketing. Kein Wunder also, dass er sich so gut in Marketing-Strategien auskennt.
Sehr interessant finde ich seine Ausführungen zu den "Welten in der Welt". Sein Buch soll ja die Machenschaften des Esoterik-Imperiums aufzeigen. Dazu bringt er immer wieder Vergleiche wie das auch in der "realen Welt" funktioniert. Eine "Welt in der Welt" ist zum Beispiel das Macintosh-Imperium. Wer kennt sie nicht, die hartgesottenen Mac-Nutzer oder eingeschworenen iPhone-Besitzer, die nie auch nur ein Produkt ohne den angebissenen Apfel aus dem verheißungsvollen Paradies erwerben würden.
Wurden Sie jemals von einem Windows-User zum Umstieg gedrängt? Vermutlich nicht, weil eben genau dieses religiöse Etwas die besondere Atmosphäre des Apple-Kosmos ausmacht. Das Kollektiv entwickelt Korpsgeist. Alle sind dabei und jeder empfindet sich als wichtig. Dabei wirkt man hier als Teil eines gemeinsamen Projektes. Gelebt wird die Markentreue. Je mehr Anhänger mitziehen, umso erfolgreicher die Unternehmung, desto erlösender die Teilhabe. Moderne Markenwelten verstehen sich zusehends als gemeinschaftlicher Werbefeldzug, eben als Prosumer-Movement.

Bevor es der Esoterik an den Kragen geht, bringt Johannes Fischler Beispiele unserer Verführbarkeit als Konsumenten, in denen sich jeder wiedererkennen kann, wenn er denn will. Wir sind inzwischen in vielen Bereichen bereits "Aura-Käufer". Obwohl wir uns für vernünftige Menschen halten, die auf Nachhaltigkeit achten und umweltbewusst sind, steht in vielen Haushalten eine Kaffeemaschine, die Kaffee auf eine magische Weise herauslässt, so dass wir bereitwillig 66 Euro für ein Kilo Kaffee ausgeben und den Müll dazu in Kauf nehmen.
Was das Macintosh-Universum für das iPhone liefert, besorgt die Welt des roten Bullen für ein an sich harmloses Gummibärchengetränk. Beide versorgen das Produkt mit einer ordentlichen Ladung Lifestyle. Die Träger dieses Lebensstils, ihre Zeichens die Konsumierenden, besiedeln wiederum eine weitere dieser unzähligen "Worlds of". Und so wird ein handelsüblicher Artikel, ob nun Telefon oder Energy-Drink, zur Kernaussage eines sehr besonderen "In-der-Welt-Seins". Nicht von ungefähr hat auch ein namhafter Schweizer Nahrungsmittelriese ganze fünf Jahre in die Produktentwicklung schicker kleiner Kapseln investiert. Denn erst die Implementierung des notwendigen Brandlands konnte Millionen dazu bewegen, von nun an umgerechnet 66 Euro für ein Kilo Kaffee auszugeben und obendrein unsere Mülleimer mit Einweg-Aluminiumkapseln vollzustopfen. Und das immerhin in Zeiten, in denen das Haushaltsbudget der breiten Masse zusehends schrumpft und Umweltbewusstsein schon lange zum Bekenntnis schlechthin erhoben wurde.
Dieser besondere Wesenszug, der scheinbare Irrsinn rund um etablierte Markenartikel, hat Methode. Denn gut ausgeklügelte Brandlands appellieren keinesfalls an unsere Vernunft. Ob nun das hochpreisige Notebook oder enkapsuliertes Koffein ums zehnfache Geld - es zählt eben nicht mehr die Logik einer monetären Kosten-Nutzen-Rechnung, geschweige denn ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen. Warum? Dafür gibt´s gute Gründe. Gerade bei sogenannten "starken Marken" betreten wir eine Art "Anderswelt". In dieser sind Anschluss und Aufmerksamkeit das Maß aller Dinge.
Anhänger des Macintosh-Universums leben in der "richtigeren" Elektronikwelt und Kaffeegenießer mit alumiumhaltigem Mülleimerinhalt genießen den "besseren" Kaffee. Je mehr andere dieser "Welt in der Welt" angehören, desto richtiger und angebunder fühlen wir uns. Dass die "richtigeren" Welten auch die teureren sind, lässt uns zusätzlich wertvoll erscheinen. Gutes und Richtiges lassen wir uns gerne was kosten. Es geht nicht mehr um die Qualität des Produktes, sondern die "Aura", die wir damit verbinden, das Lifestylegefühl.

Verkauft die Werbung noch Produkte, so ist das Esoterik-Imperium eine Weiterentwicklung der psychologisch durchgefeilten Marketingstrategien. Auf einer höheren Dimension. Sie steigt aus der materiellen Dimension (3D) auf in die feinstoffliche (immaterielle) und verkauft dort das "Nichts" zu horrenden Preisen.
"Wenn weniger mehr ist, dann ist das Nichts vielleicht Alles" (Zitat aus dem Buch)
Haben unserer Vorfahren noch Tauschhandel betrieben und unsere Eltern ungern Ware mit Bankkarte bezahlt, sind wir bereits eine Generation, die es gewohnt ist keine "Materie" zu produzieren. Wir klopfen Zahlen und Buchstaben in rechteckige Kästchen und erhalten für unsere "geistige" Arbeit Zahlen und Buchstaben, die wir über rechteckige Kästen einsehen können. Wir zahlen Produkte wiederum mit Zahlen und Buchstaben, indem etwas Rechteckiges in ein Kästchen geschoben wird. Wir produzieren "Immaterielles" und erhalten "Immaterielles". Wir haben uns eingelebt ins Nicht-Materielle. Alles, was wir noch brauchen, sind rechteckige Kästen und Kästchen. Der Umgang mit dem "Nichts" liegt uns bereits im Blut. Schöne digitale Welt (in der Welt?).

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Eine Übersicht zum Thema finden Sie auf meiner Website unter "Esoterik - eine Reflexion".




Donnerstag, 9. Januar 2014

Gastbeitrag zur Kampagne "Ein Prozent"


Ich freue mich den ersten Gastbeitrag zur Kampagne "Ein Prozent" hier einstellen zu dürfen.
Vielen Dank an den Teilnehmer!

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Die Apothekerin bei der Ohm-Apotheke, welche mich immer freundlich begrüßt und mich immer berät. Ich fühle mich in dieser Apotheke aufgehoben und habe das Gefühl, dass diese Frau Spaß an ihre Arbeit hat und ihre Arbeit lebt. Vielen Dank für das gute Gefühl, wenn ich in ihre Apotheke reingehe und auch wieder mit einem lächeln auf dem Mund hinausgehe. Durch sie wird eine sonst unangenehme Situation zu einem erhellender Moment im Alltag!

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Mittwoch, 8. Januar 2014

Wahres Selbst oder Ware Selbst?

So, nun habe ich es geschafft!

Beim fünften Anlauf habe ich die Hürden bis zur Seite 21 überwunden. Nachdem ich letztes Jahr von einem Bekannten auf das Buch von Bernd Kramer "Erleuchtung gefällig? Ein esoterischer Selbstversuch" aufmerksam gemacht wurde, beschäftige ich mich mit den "Esoterikkritikern". Herr Kramer ist Journalist, arbeitet unter anderem für die ZEIT und im Sommer, nach Veröffentlichung seines Buches, schrieb er in dieser Zeitung einen Leitartikel über Esoterik. Der Artikel sprach mich nicht an. Als Reikilehrerin und Reinkarnationstherapeutin hätte ich mir mehr erwartet. Die Informationen im Artikel waren oberflächlich und auch die Beschreibung des esoterischen Selbstversuchs in der Buchform war doch eher journalistische Recherche ohne rechten Tiefgang.

Anders geht es da im Buch "New (C)Age" von Johannes Fischler zur Sache. Der Herr ist Psychologe und persönlich betroffen. Bis zur Seite 21 seines Buches quälte ich mich durch Schlagworte und Spitzfindigkeiten, die erklären, warum wir der "Welt in der Welt" verfallen.
Das Vorwort von Universitätsprofessor Dr. Heinz Oberhummer, Professor für Theoretische Physik an der TU Wien, strahlt eine Fassungslosigkeit ob des sich in der Gesellschaft ausbreitenden Krebsgeschwürs, genannt Esoterik, aus. Er preist den Fortschritt der Technik als Kind der Naturwissenschaften und fühlt sich durch Methoden der Esoterik ans Mittelalter erinnert.
"Man braucht derzeit jeden verfügbaren kritisch denkenden Menschen, der dem eskalierenden Wahnsinn die Stirn bietet."

Wie gesagt, fünf Anläufe bis zur Seite 21. Da steht im Kapitel "Grund und Grundsätzliches" der Grund für dieses Buch. Herr Fischler hat einen Menschen an die Parallelwelt der Esoterik verloren. Dieser Mensch muss ihm viel bedeutet haben.
So wie vielleicht auch Sie kenne ich jemanden, der in eine lichtvolle Welt abdriftete. Taub für alle Zurufe von außen, unerreichbar für Verwandte und Freunde. Man konnte nur zusehen, wie das Bizarre unaufhaltsam seinen Lauf nahm. Jedes Tun, jede gutgemeinte Intervention besorgter Angehöriger machte alles nur noch schlimmer. Und so war es mein eigenes Unvermögen, zu helfen, das einen ungeahnten Wissensdurst in mir nährte. Ich wollte verstehen, welche Dynamiken dahinterstehen, wollte wissen, welche Sogkräfte hier wirken und welche Leute mit Derartigem ihr Geld verdienen.
Und dann passiert es: Sie beschäftigen sich mit einer Sache intensiv und irgendwann kippen Sie rein. Irgendwann sitzen Sie selbst bei einem Engelsfestival, mit Rekorder, Mikrofon und Kamera. Sie entwickeln ein unbändiges Mitteilungsbedürfnis, denn was Sie dort erleben, schreit förmlich zum Himmel. Und ehe Sie sich versehen, sitzen Sie zu Hause. Zwei Bildschirme und einen Esstisch voller Flyer, Kataloge, Amulette und Sprays - Engelssprays wohlgemerkt. An Ihnen nagt ein beklemmendes Gefühl, denn Sie wissen nun schlichtweg zu viel. Sie haben schon alles probiert, Urlaub machen, Bier trinken, meditieren oder sonstige Formen des Loslassens. Aber dieser klobige Elefant steht mitten in Ihrer Wohnung und geht von alleine nicht mehr weg.
Das gefällt mir, das klingt ehrlich und nun kann ich die Grundstimmung des Buches verstehen, die mir bisher das Weiterlesen vermieste. Da versucht jemand einen Verlust zu verarbeiten und ist wahrlich nicht gut auf die Sache zu sprechen. Das kann ich voll und ganz akzeptieren und nun wird es spannend, denn ich kenne das, was er beschreibt. Nur von der anderen Seite. Ich war in Gruppen, in denen Engelkarten gelegt und Botschaften von Kryon mit heiliger Miene vorgetragen wurden, arbeitete zig meiner "alten Leben" auf, eingehüllt in Pomander, durchlebte meine Geburt und robbte mich vor dreißig Leuten durch den imaginären Geburtskanal. Ich war dabei und nun lese ich die Betrachtungsweise von jemandem, der das von außen beobachtet. Der mir erklärt, warum ich Sendungsbewusstsein entwickelte und meine Suche nach dem "Wahren Selbst" wieder zum Verlassen der "Szene" oder "Inszenerie" führte, da ich anscheinend intuitiv die Transformation zur "Ware Selbst" erkannte. Dass ich gut daran tat diesen Teil von mir, der skeptisch und ironisch alles aus dem Off kommentierte, was ich da so fabrizierte, NICHT als Blockade aus dem Weg zu räumen, sondern irgendwann dieser Stimme wieder mehr Raum zu geben und somit wieder zu dem zurückzukehren, was uns angeblich im Weg steht, dem (gesunden Menschen-)Verstand.

Herr Fischler könnte genau so gut Werbeprofi sein, denn er durchschaut die Strategien. Aber Werbung ist Psychologie, nicht wahr? Werbung manipuliert, weil sie unsere Gefühle anspricht. Wer also könnte das besser durchschauen als ein Psychologe, der persönlich betroffen ist? Er spricht von der Esoterik 2.0, da Esoterik nicht mehr der Geheimhaltung, weil Geheimwissen, unterliegt. Da wird auf allen Kanälen der sozialen Medien "auf Teufel komm raus" verbreitet, geworben, gesendet, missioniert, Bewusstseinselite geschaffen, Lichtkörper zum Strahlen gebracht und ... Angst gemacht. Denn an der Angst wurde schon immer besser verdient als an der Liebe.

Für mich gibt es durchaus Dinge, die auch ohne wissenschaftlichen Beweis helfen. Dinge, die Wissenschaftler als "Humbug" bezeichnen. Man muss sie selbst erfahren, um ihre Wirkkraft zu erkennen. Meistens wird das, was neu und unbewiesen ist, erst einmal abgetan, bis es bewiesen werden kann. Ich versuche mich dem Leben und dem, was wirkt, offen zu halten, nach der Devise "Wenn man etwas nicht wahrnehmen kann, ist das kein Beweis für dessen Nichtexistenz". Aber es fällt wirklich schwer auf dem expandierenden Markt die Spreu vom Weizen zu trennen. Manchmal bleibt nur das Experimentieren. Und manchmal begeistern wir uns für Dinge. Damit aus der Begeisterung kein Fanatismus wird, ist Selbstreflexion angesagt. Das erdet wieder. Und manchmal besteht die Erdung darin zu fliegen.

Ich lese gespannt weiter, nun darf ich mich anschnallen, das Raumschiff hebt ab in die Parallelwelt. Ein Reisebericht folgt .....

***

Eine Übersicht zum Thema finden Sie auf meiner Website unter "Esoterik - eine Reflexion".








Montag, 6. Januar 2014

Neue Männer braucht das Land oder Sind Männer die neuen Opfer der Gesellschaft?


In der aktuellen ZEIT-Ausgabe gibt es einen Beitrag, der da heißt "Das geschwächte Geschlecht".
Es geht um Männer. Geschrieben ist er von zwei Frauen und er handelt von der Krise des Mannes im Kommunikationszeitalter. Davon, dass sich viel verändert hat in unserer Gesellschaft, aber nicht das Bild vom Mann, der nach wie vor nur dann attraktiv ist, wenn er Geld, möglichst viel Geld verdient. Aber nicht mehr nur das Tun ist gefragt, sondern Kommunikation, in Meetings, mit der Frau und den Kindern. Das Patriarchat hat ausgedient und keiner will mehr nur Befehlsempfänger sein. Befehle sind rational, Gespräche emotional und ohne Gefühl kommt Mann nicht weiter. Und hier liegt die Krux. Welche Gefühle und in welchem Maß darf der Mann sich leisten, um dem Anspruch eines empfindenden Wesens gerecht zu werden, ohne dabei ein Versager oder ein Weichei zu sein und damit an Attraktivität einzubüßen?

Anhand von Statistiken und Studien wird aufgezeigt, wie sehr die Männer neben den Frauen, die gefördert und unterstützt werden, verlieren.

3-mal höher als bei Frauen liegt die Selbstmordrate bei Männern.
Frauen unternehmen eher Selbstmordversuche, die Hilfeschreie sind. Männer schaffen Tatsachen und beenden damit jegliche Kommunikation.

75 Prozent aller Obdachlosen sind Männer.
Von Männern wird Gefühl eingefordert, wenn sie das aber in Form von Schwäche zeigen, mag Frau das nicht. Männer, die sich ihrem Job nicht mehr gewachsen fühlen oder ihre Arbeit verlieren, werden gerne verlassen.

2/3 aller Sonder- und Förderschüler sind männlich.
In einer amerikanischen Studie wurden die Noten von 5.800 Kindern abgeglichen mit ihren prinzipiellen Fähigkeiten beim Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften. Mädchen und Jungen waren, bis auf das Lesen, ungefähr gleich gut. Aber die Jungen hatten, verglichen mit den Mädchen, durchweg schlechtere Noten, als die Tests erwarten ließen. Den Jungen fehlen die Konzentrationsfähigkeit und die Lernbereitschaft, die ihre Lehrer erwarten und in die Bewertung einfließen lassen.

Jungen im Alter zwischen 12 - 19 Jahren verbringen unter der Woche täglich 78 Minuten mit Computer-, Konsolen- und Onlinespielen. Am Wochenende sind es 112 Minuten täglich. Mädchen spielen 33 Minuten unter der Woche und 41 Minuten am Wochenende.
Der fünfte Teil der Computerspielserie "Grand Theft Auto 5" wurde in der ersten Woche nach Erscheinen allein in Deutschland eine Million mal verkauft - fast ausschließlich an Männer.
Die Charaktere des Spiels verticken Drogen, erpressen Schutzgelder, planen Entführungen. Nach ungefähr 100 Spielstunden ist man ein reicher, zufriedener Schwerverbrecher.
Die Autorinnen nennen "Grand Theft Auto 5" Männerkitsch. Computerspiele sind für Männer das, was für Frauen Soap-Operas sind: die Möglichkeit abzutauchen in eine schöne Welt ohne fremde Erwartungen. Mit anderen Worten - Realitätsflucht.

Sie interviewen einen Fahrlehrer, der Rasern Nachhilfeunterricht gibt, einen Psychologen, der mit Männern über ihre Probleme redet, einen homosexuellen Countertenor, der sich trotz seiner hohen Stimme männlich fühlt, einen Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der Vorträge über die steigende Selbsttötungsrate bei Männern hält und mit zwei Männern, die die Krise des Mannes am unteren wie am oberen Ende der Gesellschaft darlegen.
Am unteren Ende der Gesellschaft arbeitet ein Politologe und Volkswirt. In einem Viertel in Neukölln hat er einen Förderverein ins Leben gerufen, das unter anderem ein Mentorenprogramm für Schüler anbietet:
Das Problem des 21. Jahrhunderts sind die ungebildeten Männer und Jungen - ob Einwanderer oder Deutsche ist nicht entscheidend. Die ungelernten Männer sind überflüssig geworden. Armee, Fabrik, Gewerkschaft, Kirche - dort sind sie früher untergekommen und haben gelernt, sich im Griff zu haben. Aber die Orte der Disziplin fallen heute weg. Es gibt kein gesellschaftliches Korsett mehr. Für die Jungen ist das Problem, dass keiner sie erzieht.
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Die Jungs haben hohe Ansprüche, die sie von den vorangegangenen Generationen geerbt haben - der Mann war schließlich immer der Boss. Jetzt müssen sie lernen, damit zurechtzukommen, dass die Welt nicht so ist, wie sie das gerne hätten.
Am oberen Ende der Gesellschaft arbeitet der Inhaber einer Headhunting-Agentur für Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer ganz wichtiger Unternehmen:
Ich hatte, als ich jung war, nur ein Ziel: Ich wollte Vorstand werden, unbedingt. Als Zwischenziel hatte ich mir vorgenommen, mit 30 Geschäftsführer zu sein, egal wo. Was für ein Motiv! Das mit dem Geschäftsführer habe ich geschafft, aber heute bin ich froh, dass ich nicht Topmanager in einem Großkonzern bin. Um nichts in der Welt möchte ich Chef von Daimler sein. Diese Leute sind total fremdbestimmt. In meinem Job lerne ich immer wieder Männer kennen, die nicht tun, was sie wollen oder was eigentlich gut für sie wäre. Wenn es eine Position zu besetzen gibt, fragen sie sich nicht, ob sie das könnten. Sie fragen sich, wie viel sie verdienen, wie viel Ansehen der Job bringt. Ich denke mir, vielleicht sind Männer so gedrillt worden über all die Jahrhunderte. Oft frage ich mich, wenn ich hier mit einem Kandidaten an diesem Besprechungstisch sitze: Woher nimmt der jetzt den Mut, zu sagen, er kann es? Bei manchen denke ich, dass sie selbst wissen, dass es nicht stimmig ist. Aber sie kommen aus der Falle nicht mehr raus. Vor Kollegen, der Familie, Freunden stünden sie als Versager da. Die Souveranität zuzugeben, dass sie in zu großen Schuhen stecken, haben nicht viele. Lieber leiden sie. Depression, Alkohol, Tabletten -diese Spirale ist gang und gäbe.

Gilt diese Beschreibung wirklich nur für die Spitzenverdiener unter den Männern dieser unserer Gesellschaft? Oder kann es sein, dass Fremdbestimmung, Druck und eine Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten und Belastbarkeit mit der dazugehörigen Spirale von Betäubung überall gang und gäbe ist?

Was mir in diesem Artikel fehlt ist das Interview mit den jungen, gebildeten Männern. Mit denen, die sehen und verstehen, dass das alte Muster von "Der Mann ist der Boss" ausgedient hat. Mit denen, die an ihren Vätern erkennen, wozu es führt, wenn man sich ständig überarbeitet, schlecht ernährt, Verstimmungen betäubt, aufkeimende Krankheiten mit Tabletten im Keim erstickt, die eigene Gesundheit ruiniert für Ansehen und Prestige. Mit denen, die sehen, dass Gefühle gefordert, aber nicht wirklich gelebt werden sollen. Gefühle ja bitte, aber trotzdem schön funktionieren, damit der Wohlstand gewahrt bleibt. Mit denen, die das Dilemma spüren, die das Eis erkennen, auf das sich Mann begibt, wenn er tatsächlich seine Gefühle hochkommen lässt und vielleicht außer Kontrolle gerät. Außer Kontrolle für die Frauen, die Familie und die Gesellschaft. Wohin führen Männer ihre Gefühle? Wird es tatsächlich besser, wenn sie sich das erlauben, was gefordert wird?
Die Autorinnen fragen nach einer Männerbewegung und haben vergessen die zu fragen, bei denen sich bereits etwas tut. Mit denen, die dank G8 mittlerweile mit 18 Jahren auf den Markt geworfen werden. Mit denen, die dank Abschaffung der Wehrpflicht kein Thema mehr haben, mit dem sie sich nach der Schule auseinandersetzen müssen. Dienst an der Waffe, ja oder nein? Mit denen, die keinen Reifeprozess mehr haben dürfen, sondern sofort in ein spezialisiertes Studium mit Masterabschluss oder in ein duales Studium gedrängt werden. Mit denen, die in Führungspositionen die neuen Spitzenverdiener unserer Gesellschaft sein sollen. Und die darauf überhaupt keine Lust mehr haben. Liebe Autorinnen, habt ihr den Film "Oh Boy" verpasst?
Die Totalverweigerung und Reduktion der Bedürfnisse auf ein Minimum wird im Artikel als ein Phänomen in den neuen Bundesländern beschrieben. Das entspricht nicht den Tatsachen. Auch in den alten Bundesländern bietet das System von Sinnstiftung durch Konsum nicht mehr den Anreiz, den es mal hatte. Prestige und Ehre - wofür? Das Modell Job - Frau - Eigenheim - Familie ist nicht mehr erstrebenswert, sondern wird als Falle gesehen, die Anspruch, Huckelei, Verantwortung, Fremdbestimmung bedeutet.
Die neuen jungen, gebildeten Männer verlieren sich in virtuellen Welten, da die reale nicht mehr lebenswert erscheint. Zu viele Probleme, zu viel Anspruch, dem nicht mehr zu genügen ist. Warum also anfangen, wenn das Ende bereits sichtbar ist? Wenn man als Mann nur noch versagen kann?
Die Männerbewegung ist da, liebe Frauen. Aber nicht so, wie wir uns das denken. Da geht keiner auf die Straße und fordert lautstark seine Rechte ein, wie wir das getan haben. Da wird heimlich, still und leise verweigert. Die männlichen Bedürfnisse werden heruntergeschraubt auf einen Laptop, der es möglich macht sich mit der Internetfamilie, der Spiel-Community, zu verbinden, auf eine Bestellpizza und Red Bull. Wer nicht groß ausgeht, braucht auch keine Statussymbole zum Herzeigen. Der Held im Online-Spiel wird ohne finanziellen Aufwand aufgerüstet.

Autoren und Experten, die sich mit spezifisch männlichen Problemen befassen, werden als Revanchisten und Antifeministen gesehen.

Über den Soziologen Walter Hollstein, der der Politik vorwirft, sie habe das "angeblich so starke männliche Geschlecht vergessen" und "über Jahrzehnte hinweg nur Mädchen und Frauen gefördert" stand in der FAZ mit kaum verhohlener Verachtung: "Hollstein ist von Beruf gewissermaßen Mann".
Matthias Franz, Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Mitveranstalter eines regelmäßigen Männerkongresses, befasst sich mit den besonderen Risiken, denen Jungen ausgesetzt sind, und auch mit dem Männerproblem Suizid:
Schon Jungen im Alter von 12 Jahren haben eine dreimal so hohe Suizidrate wie Mädchen. Die Dunkelziffer ist sicher noch höher - häufig werden solche katastrophalen Ereignisse ja als Unfall deklariert. Niemand interessiert sich für diese Zahlen, noch nicht einmal diejenigen kümmern sich darum, deren Aufgabe das wäre. Ich  habe wegen dieser Problemtik zwei-, dreimal ans Bundefamilienministerium geschrieben. Nie habe ich von dort in dieser Sache eine Antwort bekommen. Das Gruppenprogramm "Palme" für alleinerziehende Mütter, das wir entwickelt haben, wurde im Familienministerium dagegen sofort wahrgenommen - kurios nicht? Meiner Meinung nach gibt es ein kollektives Empathieversagen gegenüber Jungen.
Die Politik wird dann aufmerksam werden, wenn die Wirtschaft schreit, weil es keine Männer mehr gibt, die sich für Führungspositionen zur Verfügung stellen. Wenn die Männer ihre Revolte der Verweigerung nicht mehr geheimhalten können. Wenn die Steuereinnahmen sinken, weil der Prozentsatz der Männer, die sich für die Ansprüche anderer krumm legen, sinkt. Wenn keine Kredite mehr für Eigenheime und Statussymbole aufgenommen werden, weil sich die Männer nicht mehr ausliefern wollen. Wenn es keine Kinder mehr gibt, weil die Männer nicht mehr die Verantwortung für die Versorgung derjenigen übernehmen wollen. Wenn die Männer sich den Frauen entziehen, indem sie im freiwilligen Zölibat leben, weil sie erkannt haben, dass Sex das Machtinstrument der Frau ihnen gegenüber ist. Wenn die Männer sagen "Mag ja sein, dass der Mann nicht mehr der Boss ist, aber ich bin mein eigener Boss". Wenn die Männer sich jeglicher Fremdbestimmung entziehen und keinen Porsche und kein Motorrad mehr brauchen, um ihre Freiheit zu leben. Wenn sie die Sinnhaftigeit ihres Lebens in sich gefunden haben und nicht mehr im Funktionieren und darin, es allen anderen recht zu machen. Wenn sie gelernt haben es sich selbst recht zu machen.

Bis dahin dürfen wir uns warm anziehen.
Wer auch immer an der Gesellschaft leidet, irgendwann leidet die Gesellschaft an ihm.

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ähnlicher Beitrag: Robert Gwisdek - Vertreter einer neuen männlichen Generation

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Dieser Beitrag ist Teil einer Themenzusammenfassung, die Sie unter "RaumZeiten" auf meiner Homepage finden.




Samstag, 4. Januar 2014

Kampagne 2014 "Ein Prozent" - Mach mit!


Seit ich klein war, hatte mein Vater mir beigebracht, dass die Welt schlecht ist. Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. Wenn man Nachrichten guckte: Der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel TV guckte: Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war. Da klingelt man nachts um vier irgendwen aus dem Bett, weil man gar nichts von ihm will, und er ist superfreundlich und bietet auch noch seine Hilfe an. Auf so was sollte man in der Schule vielleicht auch mal hinweisen, damit man nicht völlig davon überrascht wird.

Aus dem Buch "Tschick" von Wolfgang Herrndorf

Heute hatte ich mit meinem Mann ein Gespräch über "Motivation im und für den Alltag". Wir sprachen über das Jahr, das nun vor uns liegt mit all seinen Unwägbarkeiten und den Schalter im Kopf, der manchmal so schwer umzulegen ist von "Wieder ein Jahr Kampf" in "Juchuu Abenteuer, wir sind bereit!". Wie wichtig es geworden ist, sich nicht nur auf die zwei Wochen Urlaub im Jahr zu freuen, sondern jeden Morgen gut gelaunt das Bett zu verlassen, weil wir uns auf das freuen, was der Tag bringt. Freude auf den Alltag. Freude im Alltag. Freude für den Alltag.
Ich erzählte ihm mein gestriges Erlebnis und wie sehr es mich beschwingte. Er meinte, dass ich meiner Bank doch ein positives Feedback schreiben könnte. Stimmt. Wir sind es gewohnt überall Kritik zu üben, wenn etwas nicht so läuft wie gedacht. Sind wir genau so bereit das Positive zurückzugeben?
Also setzte ich mich hin und schrieb der Bank das, was ich gestern in meinem Blog schrieb. Ich teilte meine Freude mit.

Fühlt euch aufgerufen mit mir das eine Prozent zu finden! Oder sind es mehr? Ist die Welt vielleicht doch nicht so schlecht wie es uns tagtäglich vor Augen geführt wird? Wie viel Prozent an Menschen, die freundlich und hilfsbereit sind, gibt es in eurer Welt? Wie viel Humor, Witz, Anrührendes, Erstaunliches, Außergewöhnliches erfahrt ihr? Was liegt Gutes auf eurem Weg?

Schreibt es mir (info@leben-zuhoeren.de) und, wenn ihr wollt, stelle ich eure Erlebnisse (anonym) als Gastbeiträge ein.

Macht mit bei der Kampagne "Ein Prozent"! Ich freue mich auf eure Zuschriften (info@leben-zuhoeren.de). Macht mit, teilt es, verschickt es, erzählt es, schreibt es.

Euer Gedankenstreuner






Freitag, 3. Januar 2014

Begegnung mit dem einen Prozent in 2014

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr einen falschen Knopf gedrückt habt und plötzlich die Dinge im elektronischen Nirwana entschwinden?
So ging es mir heute. Die Umstellung auf SEPA habe ich auf das neue Jahr verschoben. Nun hatte ich aber eine Überweisung zu tätigen, für die ich nur IBAN und BIC als Angaben hatte. Ach, da steht ja "konvertieren", das mache ich dann mal. Fehler - elektronisches Nirwana, unbekanntes Land, HILFE!

Und der freundliche Mitarbeiter des Service-Teams unserer Bank für Online-Banking, der um 16.30 Uhr Arbeitsende hat, ruft mich nach 17 Uhr zurück und holt mir aus dem Nirwana, was sich dort lediglich kurz versteckt hielt und willens war wieder zurück zu kommen. Der Herr nimmt sich Zeit und macht mich geduldig SEPA-fit.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr verzweifelt Unterstützung in einem Bereich braucht, der für euch Niemandsland ist und jemand kommt, nachdem ihr einen Hilferuf losgelassen habt? Und dieser Jemand ist auch noch freundlich und kompetent und macht für euch Überstunden?

Ich danke diesem Helden des Alltags von ganzem Herzen.
Danke Herr K.! Sie gehören definitiv zu dem einen Prozent!