Donnerstag, 31. März 2016

Vom Zähmen, sich Vertraut machen und der damit einhergehenden Verantwortung

Ich habe gestern einen Spruch gelesen, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. 

Seit ich "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupery gelesen habe, begleitet mich das Gespräch vom Fuchs, der gezähmt werden möchte und dem Prinzen, der nicht weiß, wie das geht. Am Ende meint der Fuchs
"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“
Das hört sich wie eine schwere Bürde an. Wer sich im Laufe seines Lebens nicht mehr daran erinnern will, was und wen er sich alles vertraut gemacht hat, der sammelt Leichen im Keller, die irgendwann das Stinken anfangen und einen wie Zombies verfolgen können. Es hatte also einen Grund, warum mich dieser Spruch begleitete. Er hat mich an meine Verantwortung erinnert. Was aber ist Verantwortung? Der Prinz hat an dieser Stelle nicht weitergefragt. Gestern las ich die Antwort (für mich) auf die nicht gestellte Frage: 
"Sich für jemanden verantwortlich zu fühlen, heißt fähig und bereit sein zu antworten"
Nun könnte man denken, das sei ja nicht schwer. Ist es aber. Oft genug verstecken wir uns hinter Ausreden und vermeiden ehrliche Gespräche. Richtig schwierig wird es, wenn wir das, was wir gezähmt und uns damit vertraut gemacht haben, am Verlieren sind. Der Verlust ist oft so schmerzhaft, dass wir uns aus der Verantwortung ziehen und nicht mehr antworten wollen. Dann bleiben die gestellten und ungestellten Fragen in einem Raum hängen, der sich wie ein Vakuum in unserem Leben anfühlt. Vielleicht nicht sofort, diese Dinge beweisen viel Geduld, bis sie sich ungehemmt in unser Leben zurückdrängen. Mich hat das Leben gelehrt zu fragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Auch wenn mein Mathelehrer meiner Mutter steckte, "dass ich ein bisschen schwer von Begriff bin", weil ich immer dieselbe Frage stellte, auf die ich die immer selbe Antwort bekam, die ich aber nicht verstand. Wer nicht mehr fragt, der beginnt zu interpretieren. Interpretation führt meistens in den Irrtum.
Also fragen! Und antworten ....

Montag, 14. März 2016

Dreißig Jahre Haft im falschen Film

So heißt das Manuskript des Bildhauers Gerhard Roese, der mit einem NAPOLA-Vater aufwuchs und dann selbst auf eine Elite-Anstalt geschickt wurde - die Odenwaldschule. Dass er dort zu den missbrauchten Kindern gehörte, macht er auch an seiner Erziehung fest. Er war das Kind der Familie, in dem der Vater das eigene Trauma ablegte, um es dann zu bekämpfen. Kinder, denen das widerfährt, sind die sogenannten "Sündenböcke" einer Familie. Sie dürfen für alles herhalten, was schief geht. Sie sind Schuld und sie fühlen sich schuldig. Das führt zu einer Demutshaltung, die wiederum Menschen anzieht, die ein Opfer suchen. Ein Teufelskreis, aus dem es Gerhard Roese herausgeschafft hat.

Den Artikel dazu, in dem es um transgenerationale Traumata geht, finden Sie bei deutschlandfunk.de.