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Schwere Fracht

Die Menschen sind überfrachtete Wesen.
Innen Chaos, außen Chaos.
Lina in "Die Geschichte des verlorenen Kindes" von Elena Ferrante

Deutsche (Eigentümer-)Nachbarschaft

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Vor 14 Jahren zogen wir in ein Haus in einem Vorort der Stadt, in der wir nun seit 26 Jahren leben. Meinen Mann gruselte es vor dem Viertel, das mal Wald war und nun ausschließlich von Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern besetzt ist. Er nannte die beunruhigende Ruhe an diesem Ort "Friedhofsstille". Beruhigt hat uns die Gewissheit, dass wir keine Eigentümer, sondern lediglich Mieter sind und diesen satten, penibel geordneten Raum irgendwann wieder verlassen können.

Ich selbst genoss die Stille und setzte mich manchmal mitten ins unmöblierte Wohnzimmer, um den Geräuschen des Hauses zu lauschen. Da gluckerte nur die Heizung. Das stille Haus und ich wurden Freunde.

Kurz nach dem Einzug klingelte es an der Haustür und ich freute mich, einen Nachbarn von gegenüber zu sehen. Er kam gleich zur Sache und erklärte mir genau, wo und wo nicht ich die Abfalltonnen hinstellen darf. Ich hörte mir das an und begrüßte ihn dann sehr freundlich, stellte mich als neue Nachba…

Am Sterbebett meiner Mutter ...

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Ein Update für verlassene Kinder und eine Hypothese Im Juni hat unsere Tochter geheiratet.
Es ist das einzige Familienfest, an dessen Teilnahme ich nicht zu verzichten bereit war. Seit dem Eklat nahm ich an keinem Fest mehr teil, an dem meine Mutter anwesend war. Der Hass auf sie, der sich damals zeigte und der Impuls sie zu schlagen, trafen mich zutiefst.

Das Wissen, dass ich meiner Mutter nach Jahren wieder begegnen würde, versetzte mich in vielerlei Gemütszustände. Der schlimmste Zustand ist immer die Phase der Destabilisierung. Der Zustand der Vierjährigen, die verraten und geschädigt wurde. Der eine Last aufgebürdet wurde, für die die erwachsenen Verantwortlichen keine Verantwortung übernehmen wollten. Der Zustand der vierjährigen Schutzbefohlenen, die nicht beschützt wurde. Dann liege ich im Bett und weine einen weiteren See an ungeweinten Tränen (wie viele davon - Himmelherrgott - gibt es in mir?). Das mache ich alleine, so bin ich das gewohnt. Kummer zu zeigen war und ist ein…

Ich bin schwierig. Ich bin kompliziert. Und das ist gut so.

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Meine Freunde sind großartig. Ich mag und schätze sie. Jeder von ihnen ist anders und gerade die Vielseitigkeit dieser mir nahestehenden Menschen inspiriert mich.

Es gibt eine Sache, in der sich einige von ihnen einig sind. Sie schätzen mich als Gesprächspartner und wir können über die Welt reden, selten aber über "Gott". Sobald die Gespräche auf Themen kommen, die nicht der Norm entsprechen (Beziehung, Arbeit, Kinder, Essen, andere Leute, Politik), sobald es ums "Eingemachte" geht, ums Persönliche, um Stellungnahme, um Gefühle, heben sie abwehrend die Hände und meinen: Du bist so schwierig, so kompliziert.

Lange Zeit hat mich das traurig gemacht. Es hat das Kind in mir aktiviert, das sich mit seinem eigenen Kopf einen Platz in der Welt ergattern wollte und dem gesagt wurde: Der Mann, der dich mal heiratet, ist noch nicht geboren. Was nichts anderes hieß als: Kind, sei nicht so schwierig, nicht so kompliziert, hör auf mich zu löchern, lass mich in Ruhe, so findest …

Mantra

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Führt mich heim.
Lasst mich Liebe leben,
lasst mich Liebe sein.


Aufgabe

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Wer hier ist
um aufzuräumen
sollte sich nicht dazu hergeben
unter den Teppich zu kehren


Als die Welt noch in Ordnung war

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Im Februar diesen Jahres verbrachten wir einige Zeit in einem buddhistischen Kloster der Waldmönchstradition im Osten Thailands.
In einem Gespräch mit dem Kloster-Abt sprachen wir über den Werteverfall, der sich auch in der thailändischen Gesellschaft bemerkbar macht. Als ich erzählte, dass ich vor genau 30 Jahren das erste Mal Thailand besuchte, meinte der Abt "Damals war die Welt noch in Ordnung".

Ich überlegte kurz und musste ihm dann, aus meiner Sicht, widersprechen.

Als ich 1989 das Land des Lächelns besuchte, war ich einerseits tief berührt, andererseits zutiefst schockiert.
In den Tempeln beobachtete ich die Einheimischen beim Praktizieren und war fasziniert von ihrem tiefen Glauben. Auf den Straßen war die Prostitution allgegenwärtig. Der Sextourismus florierte. Mann konnte damals alles kaufen - Frauen, Mädchen, kleine Jungs.

Der Abt lebte zum Zeitpunkt meines Aufenthalts mit seinen Eltern auf einer idyllischen Insel, die auch ich besuchte. Dort war die Welt noch in …

Frühling

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Vertreibe deinen Winter mit lauten Rasseln, Trommeln und Pfeifen -
Wann hörst du das erste und wann das letzte Vogelzwitschern draussen ?


Beobachte genau eine Bohne beim Keimen. Wie viele Stunden hat sie gebraucht?
Schaue einmal in die Blüte eines Schneeglöckchens hinein, ohne es zu pflücken !


Schon einmal einen verrückten Märzhasen zur Teestunde eingeladen?
Kannst du eine Gründonnerstagssuppe aus neun Wildkräutern kochen? 


Mische eine Handvoll verschiedenster Saatkörner- streue sie in eine Ecke im Garten - deine Überraschung - lass alles wachsen, wie es will, jäte nie- freue dich immer daran.


Mache es dir zur Gewohnheit morgens dein erstes Frühstück draussen zu pflücken
Wer findet die meisten phantasievollsten Namen der Farbnuancen von Grün ?    


Kannst du schweigend in der Morgendämmerung zu einer Quelle gehen, um dein Osterwasser zu schöpfen? 


Hast du den ersten Käfer begrüsst und ihn vor der dicken Spinne unter dem Sofa gerettet?


Hörst du das Klingeln der Märzenbecher, wenn sie unter dem Bus…

Lockerlassen

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Gestern joggte ich durch den Wald und hörte einen Vogel den Frühling herbeisingen.
Heute schaue ich aus dem Fenster und frage mich, ob ich es Mike Meleski nachmachen soll.


Ich befinde die Schneehöhe in unserem Garten als nicht ausreichend zum Kopfstand-Schnee-Engeln.

Also mache ich mir lieber einen Espresso (wer setzt sich zu mir und bringt ein Croissant mit?) und versüße mir den Montagmorgen mit Gute-Laune-Musik.


 Kommt gut durch den laaangen Winter. Bleibt glücklich, gesund und warm. Und vergesst nicht, dem Leben ab und an etwas Spiel zu lassen.