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Brief an meinen Sohn

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 Lieber Sohn,  deine Quarantäne läuft bald aus.  Ich wünsche dir, dass du gut Fuß fassen kannst in A.R., dir das Klima behagt und dein Körper zur Ruhe kommen kann. Nach 58 Jahren habe ich herausgefunden, dass wir Heimat in uns selbst finden müssen, wenn wir inneren Frieden erfahren wollen. Es gibt Menschen, denen ist das gegeben. Sie gehen leichter durchs Leben. Andere sind auf der Suche und gehen auf Reise. Es gibt natürlich Orte, an denen man sich wohler fühlt als an anderen. Aber die innere Unruhe kann letztendlich nur im eigenen Inneren zur Ruhe kommen. Für mich begann der Umkehrpunkt, als ich anfing, mich als Mensch zu begreifen und zu akzeptieren. Es war entsetzlich, mich meinem Hass zu stellen. Aber ja, ich kann hassen. Ich bin kein Gutmensch und will auch keiner sein. Ich bemühe mich, ein liebenswürdiger Mensch zu sein und bin bereit, hart auf einer Ebene zu arbeiten, von der die meisten gar keine Ahnung haben. Deswegen gibt es für mich keinen Erfolg im Außen. Ich...

Brief an eine Schriftstellerin

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Liebste Frau Schubert, mein Name ist Ingrid R., ich bin Jahrgang 1963 und habe eine Mutter Jahrgang 1939. Sie ist, wie Sie, (noch) 80 Jahre alt. Wie Sie musste meine Mutter aus ihrer Heimat fliehen. Sie wurde in Krumau, heutiges Český Krumlov/Tschechien und Weltkulturerbe, geboren. Und doch gibt es große Unterschiede zwischen ihnen beiden. Sie hatten eine Mutter, an der Sie sich orientieren konnten. Meine Großmutter hat Selbstmord begangen. Sie hat das gemacht, was Ihre Mutter verweigert hat. Sie hat sich vergiftet. Ihre beiden Kinder, meine Mutter und den Sohn, hat sie zu ihrer Schwester geschickt. Ihren Vater hat meine Mutter nicht kennengelernt. Er verstarb bei einem Marsch, als sie noch im Bauch ihrer Mutter war. Sie war noch keine 5 Jahre alt und, im wahrsten Sinne des Wortes, bereits mutterseelenallein. Mit der Großmutter sind sie nach Österreich geflohen. Nachdem meine Urgroßmutter keine Lebensmittelmarken mehr erhielt, musste sie die beiden Enkelkinder zur Adoption freige...