Brief an meinen Sohn

 Lieber Sohn, 

deine Quarantäne läuft bald aus. 

Ich wünsche dir, dass du gut Fuß fassen kannst in A.R., dir das Klima behagt und dein Körper zur Ruhe kommen kann.

Nach 58 Jahren habe ich herausgefunden, dass wir Heimat in uns selbst finden müssen, wenn wir inneren Frieden erfahren wollen. Es gibt Menschen, denen ist das gegeben. Sie gehen leichter durchs Leben. Andere sind auf der Suche und gehen auf Reise.
Es gibt natürlich Orte, an denen man sich wohler fühlt als an anderen. Aber die innere Unruhe kann letztendlich nur im eigenen Inneren zur Ruhe kommen.

Für mich begann der Umkehrpunkt, als ich anfing, mich als Mensch zu begreifen und zu akzeptieren. Es war entsetzlich, mich meinem Hass zu stellen. Aber ja, ich kann hassen. Ich bin kein Gutmensch und will auch keiner sein. Ich bemühe mich, ein liebenswürdiger Mensch zu sein und bin bereit, hart auf einer Ebene zu arbeiten, von der die meisten gar keine Ahnung haben. Deswegen gibt es für mich keinen Erfolg im Außen. Ich weiß das. Ich weiß, was ich tue. Und nur ich kann es vor mir anerkennen. Das muss reichen. Kein Beifallklatschen, weil ich nichts von dem erreicht habe, was als Erfolg gefeiert wird. Nur ich kenne meinen größten Erfolg. Nur ich weiß, welche Wege ich dafür gegangen und welchen Preis ich dafür bezahlt habe.
Auch du bist ein suchender Reisender. Ich wünsche dir, dass du Heimat in dir selbst findest. Ob in Robe oder Jeans. Das ist mir völlig egal. Du entscheidest, in welcher Montur du deinen Innenaufbau am besten zustandebringst. Nur du hast eine Vorstellung davon, wie dein inneres Haus aussehen soll. In diesem Sinne: Handwerke gut, umsichtig und ressourcenschonend. Suche dir die passenden Werkzeuge und Helfer, die mit dir an einem Strang ziehen. Pass auf, dass das Material hochwertig und nachhaltig ist (denk an Opa), behalte immer die Statik im Auge. Ohne Statik nützt alles nix.

Ich hab dich lieb und umarme dich, deine Mama

 


 

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