Verlassende Kinder

In letzter Zeit habe ich vermehrt Anfragen zu Selbsthilfegruppen von Kindern, die ihre Eltern verlassen haben.

Leider bin auch ich bei meinen Recherchen zum Thema "Verlassende Kinder" nicht fündig geworden. Es gibt (noch) keine Lobby für uns.

Seit Erscheinen der Bücher von Sabine Bode hat sich eine Bewegung formiert, die sich "Kriegsenkel" nennt. Vielleicht fühlt sich dort der ein oder andere aufgehoben.

Meine Erfahrung ist die, dass Kinder, die ihre Eltern verlassen, alleine dastehen. Von den eigenen Eltern und der Gesellschaft als verwöhnte, undankbare, selbstzentrierte Egoisten abgestempelt, ziehen sie sich mit ihren Selbstzweifeln zurück und haben bisher wenig bis keinen Ausdruck gefunden. Dass die Bindungsunfähigkeit der eigenen Eltern häufig die Wurzel für den Kontaktabbruch ist, dafür gibt es wenig Bewusstsein. Der Blick ist nach außen gewendet, materiell war doch alles da. Um zu verstehen, dass Gefühlskälte jegliche Form von Beziehung irgendwann erkalten lässt, auch die der Eltern-Kind-Beziehung, dafür müsste man den Blick nach innen wenden. Das hat uns aber keiner gelehrt. Da gerade diese verlassenden Kinder das Bindungstrauma ihrer Eltern anrühren, werden sie zu "Tätern" abgestempelt und die verlassenen Eltern sehen sich in der Opferrolle. Für das kollektive Trauma ist die Gesellschaft genau so blind und gefühlstaub wie die Eltern. Die Kinder sollen funktionieren wie sie das seit Generationen gemacht haben. Das tun sie aber nicht mehr. Sie wollen oder können nicht mehr das Öl im Getriebe sein. Sie sind der Sand, der unangenehm reibt.

Liebe Verlassende Kinder, ich kann euch zum heutigen Zeitpunkt leider keine Adressen von SHG´s geben, noch sehe ich eine Lobby für uns. Ihr seid auf euch gestellt, denn das, was mit dem Kontaktabbruch passiert, ist ein Tabubruch. Dieser Tabubruch ist Pionierarbeit und damit eine Veränderung in einem System, das sich vehement gegen diese Art von Veränderung wehrt. Der Mythos Familie ist unantastbar.

Auf meiner Homepage habe ich unter Tipps und Anregungen einiges verlinkt, was vielleicht weiterhelfen könnte.
Wenn ihr weitere und mehr Informationen habt, schreibt mir (info@leben-zuhoeren.de), ich freue mich.
Hoffnung ist eben nicht der Glaube daran, dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.

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