Kriegskinder - Die vergessene Generation

Gerade habe ich das Buch "Die vergessene Generation - Kriegskinder brechen ihr Schweigen" von Sabine Bode ausgelesen.
Das Buch zeigt auf, dass die Leiden der Generation der Kriegskinder und vor allem der Kinder, die in den Kriegsjahren geboren wurden, lange Zeit ignoriert wurden. Auch von ihnen selber.
Das Buch beschreibt die Traumatas, denen diese Kinder ausgesetzt waren und ihre Folgen. Auch meine Eltern gehören dieser Generation an und nun, nach der Lektüre dieses Buches, kann ich viele Dinge besser verstehen. Warum sie so sind, wie sie sind und warum in meiner Familie, in der die materielle Versorgung an oberster Stelle stand, die Frage gestellt wird "Was hast du? Es hat dir doch an nichts gefehlt" . Das Buch gibt mir Erklärungen für die von mir empfundene Gefühlskälte in einer nach außen "heilen" Familie.
Das Buch zeigt auf, dass unverarbeitete Traumatas an Kinder weitergegeben werden, wortlos, sprachlos. Und dass auch meine Generation weiterhin an den "transgenerativen Traumatas" des Krieges zu arbeiten hat.
Was bis heute häufig fehlt, ist eine echte Bereitschaft der Kriegskinder zur Diskussion, denn viele haben Angst davor, die Schrecken der Vergangenheit aufzuwühlen. Manche sehen sich durch Krankheiten oder Panikattacken dazu gezwungen. Viele werden sie mit ins Grab nehmen.
Es ist verständlich, dass diese gebeutelte Generation stumm bleibt, wenn es um Kriegsgräuel, Luftangriffe, Luftschutzkeller, Vertreibung, Flucht und Misshandlungen geht. Das ist Vergangenheit und heute geht es uns gut.
Leider stimmt das nicht ganz.
Denn gerade meiner Generation, den Kindern der Kriegskinder, geht es seelisch häufig nicht so gut. Eine Generation, die ins Wirtschaftswunder hineingewachsen ist und materiell im Paradies lebt. Einer Generation, von der alle denken, dass es ihr prächtigst gehen müsse, da kein Hunger mehr, kein Krieg, keine Schrecken einer Diktatur.
Wer dieses Buch liest, das auch viele Beispiele aus der Traumaforschung bringt, versteht, dass der Schrecken noch nicht vorbei ist. In uns Kriegsenkeln hallt der Krieg nach und nur durch Erinnerungen, die weitergegeben werden, können wir unsere Geschichte verarbeiten. Dazu sind ehrliche Gespräche nötig. Gespräche in den Familien, von denen eine jede ihre individuelle Geschichte hat.
Ich hoffe, dass es viele dieser Gespräche geben wird, so lange die Zeitzeugen noch leben, damit wir ein Bild bekommen von dem, was unseren Familien wirklich passiert ist und wir zuordnen können, was in uns wirkt.

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Eine Übersicht zum Thema finden Sie auf meiner Website unter "Traumatisierte Familien".  

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Mehr Gedanken zu diesem Thema unter "Verlassene Eltern", "Kriegsenkel - Die Erben der vergessenen Generation", "Band ums Herz", "transgenerationale Traumata",  "German Angst", "Du hast mich nie gesehen!", "Ein System für das es noch keinen Namen gibt"




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