Die unfriedfertige Frau - Ein Nachruf

Margarete Mitscherlich ist gestorben.
Sie war eine der größten deutschen Psychoanalytikerinnen und eine erklärte Feministin.
Mit ihrem Mann, Alexander Mitscherlich, veröffentlichte sie in den sechziger Jahren das Buch "Die Unfähigkeit zu trauern", in dem die unzulängliche Aufarbeitung des Dritten Reichs und die Abwehr jeder Mitschuld in der deutschen Nachkriegsgesellschaft thematisiert wurde.
In den achziger Jahren veröffentlichte sie ihr Buch "Die friedfertige Frau" und legte dar, dass Frauen kein geringeres Aggressionspotenzial als Männer und ihr ausgleichendes Wesen nur erlernt haben.
Ich habe immer vertreten, dass Frauen sich nicht nur gegen Männer, sondern auch gegen sich selbst durchsetzen müssen. Eine emanzipierte Frau ist in der Lage, sich von vorgefundenen Werten und Vorstellungen über ihre Rolle zu distanzieren
Wie wahr.
Vor zwei Jahren erschien ihr Buch "Die Radikalität des Alters" und von der Frau, die Schönheits-Operationen für neurotisch hielt, kamen Sätze wie
Das Leben ist nicht leicht, es ist immer wieder schwer und am Schluss ist es zu Ende. Das Leben hat keinen Sinn, es muss auch ohne gehen
Da sie jedoch mit Selbstironie von sich selber behauptete
Meine Thesen stimmen immer irgendwo auch, sind aber mit einer großen Lust an der Provokation verbunden
bleibt der Eindruck einer unverwechselbaren, lebendigen, freiheitsliebenden, couragierten Frau, die mit der Lust am Denken gelebt und gestritten hat.
Ich wünsche mir viele unfriedfertige Frauen in unserer Gesellschaft. Ihre Ehe wird als jahrzehntelange Lebens- und Denkgemeinschaft bezeichnet, von der sie sagt, dass sie nicht immer harmonisch verlief. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen war es eine fruchtbare Partnerschaft und auch hiervon kann es mehr geben.


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