Mach einfach!


Als ich vor einem Monat aufbrach um meinen EFT-Praktiker abzuschließen, überfiel mich zwei Tage davor eine große Unlust. Am liebsten hätte ich abgesagt.
Ich bat meine zwei Männer mich gemeinsam zum Bahnhof zu bringen um sicherzustellen, dass ich tatsächlich in den Zug steige. Ich fühlte mich wie ein Kind, das sich voller Tatendrang zu einem Ausflug angemeldet hatte und sich dann am liebsten im Bett verkrümeln würde. So benahm ich mich auch. Unter Lachen, Küssen, Umarmungen und Winken wurden ich und mein Koffer in den Zug bugsiert.
Ich machte meinen Abschluss und es ist ein richtig gutes Gefühl etwas abgeschlossen zu haben.
Vielleicht deswegen, weil ich einmal in meinem Leben eine Ausbildung abgebrochen habe und mir danach vorgehalten wurde "Du machst das sowieso nicht zu Ende, du hältst das genau so wenig durch wie beim letzten Mal". Obwohl sich dieser Abbruch als richtige Entscheidung erwies und ich danach in den meisten Fällen durchzog, was ich anfing, klingen mir diese Worte noch immer im Ohr.
Manchmal dürstet es uns nach einer Bestätigung für das, was bereits in uns ist. Weil es schön ist zu teilen und weil es sich gut anfühlt, wenn das, was in uns ist, auch in einem anderen ist. Dann fühlt sich unsere Wahrheit wie eine größere Wahrheit an.
Wenn mich in meiner Arbeit mit Klienten jemand fragt "Und wie wars? Warst du erfolgreich?", kann ich nur mit den Achseln zucken. Denn die Arbeit mit einem Klienten ist dann für mich erfolgreich, wenn er das, was er erkannt hat, in die Tat umsetzen kann. Wenn die Erkenntnis nicht als Theorie im Kopf bleibt, sondern in die Praxis, ins Leben kommt. Wenn sich etwas bewegt. Und dann ist es nicht mein Erfolg, sondern der Erfolg des Klienten. Mich freut es, wenn ihn unsere Arbeit in die Bewegung bringt.

Nun lese ich das Kapitel 2 "Wie man sein Glück findet" in Barbaras Buch  und da steht:
Wie viel Glück Ihnen zuteil wird, hängt von Ihrer Bereitschaft zum Handeln ab.
Aktivität hilft Ihnen nachzudenken.
Selbst wenn Ihre Aktivität Sie in eine falsche Richtung führt, erhalten Sie dadurch wertvolle Informationen.
Aktivität fördert Ihr Selbstwertgefühl.
Es ist nicht nur die Unentschlossenheit, die Sie in der Passivität verharren lässt - sondern auch Angst. Aber jedesmal wenn Sie etwas tun, wovor Sie Angst haben, wächst Ihre Selbstachtung. Wenn Sie Angst haben, aber dennoch aktiv werden, tun Sie sich selbst einen großen Gefallen. Denn selbst wenn jemand die Tür vor Ihrer Nase zuschlägt, Ihren Brief nicht beantwortet oder Sie womöglich anschreit - wenn also das denkbar Schlimmste passiert - ,ist das relativ egal. Wann immer es Ihnen gelingt die eigene Angst zu überwinden, kommen Sie einen Schritt weiter. Und Sie können diesen Erfolg auch spüren. Selbstachtung folgt dem Handeln und nicht umgekehrt.
Wenn Sie dagegen zaudern und nicht handeln, spüren Sie, wie Ihr Selbstwertgefühl abnimmt.
Etwas zu unternehmen wirkt sich positiver auf das Selbstwertgefühl aus als zum Beispiel Affirmationen oder positives Denken. Sich selbst zu sagen, dass man in Ordnung ist, hält nicht lange vor.
Aktiv zu sein ist stets besser als nur nachzudenken, denn wenn Sie etwas getan haben, sind Sie stolz auf sich - selbst wenn Sie es nicht perfekt hinbekommen haben.
Wenn wir zu gut im Vermeiden werden, fangen wir nie an zu leben.
Ein nicht gelebtes Leben ist die Hölle.
Und nun kommt es, ich liebe sie dafür, weil es so zutiefst menschlich ist:
Ich selbst fühle mich zum Beispiel nie besonders wohl, wenn eine neue Vortragsreise ansteht. Nach einigen Monaten ohne Vorträge will ich am liebsten zu Hause bleiben, meinen Hund ausführen, zum Hotdogstand gehen und an meinem Computer arbeiten. Wenn dann ein neues Seminar ansteht, werde ich innerlich angespannt. Ich jammere, weil ich meine Seminarunterlagen mühsam zusammensuchen, Strumpfhosen tragen und in aller Hergottsfrühe zum Flughafen fahren muss.
Eine Bestsellerautorin, die Workshops in Amerikas Topfirmen (Microsoft, IBM, Hewlett Packard) hält, jammert, weil sie nun Strumpfhosen tragen und dem Ruf der Welt folgen muss.
Aber jedes Mal wenn ich dann vor einer Gruppe von Menschen stehe, bin ich voll und ganz in meinem Element und ich bin glücklich, dass ich mich überwunden habe. Und es verleiht mir ein Gefühl innerer Stärke, dass ich nie daran gedacht habe, eine meiner Veranstaltungen abzusagen.
Kommt das irgendjemandem bekannt vor? Mir ja.
Wer auch immer wir sind, was auch immer wir tun, wir bleiben Menschen und menschlich ist der Hang zur Bequemlichkeit und die Angst. Angst davor wieder etwas falsch zu machen, in die falsche Richtung zu laufen, in einer Sackgasse zu enden, ausgelacht, niedergemacht zu werden. Aber all das ist Bewegung, es ist Leben. Was ändert sich, wenn wir aussitzen und nichts tun, nicht einmal probieren. Dann kann uns vielleicht nicht viel passieren, aber genau darum geht es ja! Manchmal wünschen wir uns, dass einfach etwas passiert. Und dann passiert etwas und wir fühlen uns dem ausgeliefert. Wenn wir anfangen damit aufzuhören passiv darauf zu warten, dass etwas passiert, dann können wir aktiv mitbestimmen. Läuft es schief - shit happens - dann können wir uns umdrehen (s. Rückschläge sind Vorschläge für die Zukunft). Jedes Mal, wenn wir uns wieder ins Tun bringen, wenn wir aktiv werden, ist das eine großartige Sache. Es ist ein Schritt.

Mach einfach. Warum? Siehe oben.

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