Negativer Lustgewinn


Diese Worte muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn für die meisten für uns sind sie widersprüchlich.
Wie kann ich mir aus etwas Negativem einen Gewinn holen? Oder ist der Gewinn negativ?

Die meisten von uns würden es ablehnen, dass sie etwas damit zu tun haben und doch praktizieren es viele von uns alltäglich. Es geht um die Lust und dem Gewinn am Schmerz. Keiner würde es bewusst tun, wir tun es  unbewusst.
Ein Besipiel:
Viele von uns wären gerne wohlhabend. Finanzielle Sorgen plagen den Einzelnen, Partnerschaften, Familien. Einmal sorglos mit Geld um sich werfen. Das ist die Fantasie, der Wunsch, der Traum.
Um uns zumindest einen dringenden Wunsch erfüllen zu können, fangen wir an zu sparen und dann ... muss das Auto in die Werkstatt, geht die Waschmasche kaputt, will das Finanzamt eine Steuernachzahlung. Der Traum ist futsch, wir sind frustriert "Ich schaffe es nie auf einen grünen Zweig zu kommen".
Wo liegt hier nun der Gewinn? Das Negative ist einleuchtend, aber wie kann so eine Situation einen Gewinn bescheren?
Er liegt in der Regel in der Bestätigung einer Überzeugung, die wir uns aus einem Urteil anderer gebildet haben. "Geh mal zur Seite, das schaffst du sowieso nicht", "Du hast ja zwei linke Daumen, lass mich das machen", "Du bist ja zu dumm um einen Eimer Wasser umzukippen", "Warum willst du das haben? Dein älterer Bruder hat das auch nicht bekommen. Du denkst wohl du bekommst eine Extrawurst". Schon mal gehört? Viele von uns sind mit solchen Parolen groß geworden. Die wengisten von uns wissen, was sie in uns anrichten. Da war immer jemand, der es besser, schneller, zufriedenstellender als wir hinbekommen hat. Wie auch nicht? Kinder lernen von Erwachsenen, älteren Geschwistern, Leuten die uns etwas lehren. Und wenn die Leistung eines Kindes mit der eines Erwachsenen verglichen wird, zieht es meistens den Kürzeren. Es wurde nicht gesehen, WAS wir geschafft haben, sondern WAS wir NICHT geschafft haben. Darauf wurden wir aufmerksam gemacht und aus diesen Parolen bilden sich Überzeugungen über uns selbst.
"Ich schaff das nicht", "Ich bin zu dumm dazu", "Ich war schon immer ungeschickt", und ganz häufig "Ich bin es nicht wert". Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist oder selber Kinder hat, weiß, dass Kinder Gerechtigkeitsfanatiker sind. Bei uns wurde die Limo im Glas mit Eichstrich ausgeschenkt. Es gab für jeden nur ein Glas am Abend und keiner sollte auch nur einen Tropfen mehr wie der andere bekommen.
Und wenn wir nun etwas wollen, was die anderen auch nicht haben, wie können wir es uns erlauben, wenn es uns von anderen nicht erlaubt wurde mehr zu bekommen, mehr zu haben und sogar wir selber darüber gewacht haben, dass die anderen nicht mehr haben, nicht mehr bekommen wie wir.
Ganz subtil wirkt da "Das steht dir nicht zu" (s.auch transgenerative Traumata) oder "Das hast du nicht verdient". Und da diese Überzeugungen eine enorm hohe Kraft in uns entwickeln, sollten wir uns nicht darüber wundern, dass der heiß ersehnte Kurzurlaub platzt, weil wir uns einen neue Waschmaschine kaufen müssen. Gegen die Waschmaschine kann keiner etwas sagen, das ist heutzutage ein nötiger Gebrauchsgegenstand, kein Luxusartikel. Aber der Kurzurlaub ..... steht der uns zu?
Sind wir es wirklich wert, klug genug, fähig genug, um uns den Luxus von ein paar Tagen Auszeit zu gönnen? Ohne schlechtes Gewissen? Schließlich gäbe es ja noch viele andere, wesentlich dringendere Dinge, die wir damit erledigen könnten, als uns etwas Gutes zu tun. Ist das letztendlich nicht doch egoistisch?
Wenn Sie bereit sind zu sagen "Ja, ich bin davon überzeugt, dass ich es wert bin, dass ich fähig und klug genug bin. Dieser Urlaub steht mir zu, vor allem anderen. Und wenn mir jemand sagt, dass ich egoistisch bin, weil unsere Wohnung unbedingt einen neuen Anstrich bräuchte und ich Zeit und Geld lieber darin investieren sollte, dann ist das sein Problem. Ich lasse es mir gut gehen."

Negativer Lustgewinn.
Ein Teil von uns ist befriedigt, nämlich der, der uns selbst verurteilt.
Unsere Überzeugungen haben mal wieder die Oberhand behalten, sie lassen uns weiterhin für klein und dumm halten, und bekommen die Bestätigung ihrer Meinung von uns auf dem Präsentierteller. "Ich schaffe es nie". Genau, triumphieren sie innerlich, das habe ich dir doch schon immer gesagt, aber du willst mir ja nicht glauben "Du schaffst das nicht", basta. Wir bleiben hängen in Gefühlen, die uralt sind und die uns belasten. Das tut weh. Es ist Selbstsabotage und in jedem von uns steckt ein perfekter Selbstsaboteur.
Was uns bleibt ist das Jammern. Und wir wachen wieder darüber, ob auch die anderen ja nicht mehr abbekommen. Ist da jemand, der auffällig ungerecht mehr hat, dann können wir über ihn das ausgießen, womit auch wir begossen werden würden "So ein Egoist, unverantwortlich, na, der macht sich ja ein schönes Leben, was arbeitet der eigentlich und wie kann er sich das leisten?"
Urteile über andere sind Urteile, die wir von anderen angenommen haben und letztendlich sind es Urteile, die sich gegen uns selber richten.
Selbstverurteilung beschert negativen Lustgewinn.
Wer positiven Lustgewinn haben möchte, könnte die Überzeugungen, die in ihm wirken, aufspüren und sich anschauen, wo sie herkommen. Sie können aufgelöst werden und Ihnen den Weg frei machen für positive Gefühle und das "Tschakka, ich schaff das!"

Das ist Bewusstseinsarbeit.

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