Wer mich beleidigt bestimme ich selbst

Diese Woche wurde ich um Stellungnahme zu einer Geschichte gebeten:

Es geht um einen Kreis von Freundinnen und einen attraktiven jungen Mann, der nach langjähriger Beziehung wieder solo ist. Eine der Freundinnen kennt ihn schon lange, verehrt ihn, war aber immer nur Kumpel. Eine andere hat trotz dieses Wissens nach einer Feier etwas mit dem Mann angefangen. Die Verführerin wurde in einem Gruppengespräch darauf hingewiesen, dass ihr Verhalten für die Verehrerin verletzend und unsolidarisch ist, was jedoch zu keiner Reumütigkeit führte. Nun wird sie vorübergehend ausgeschlossen.

"Wer mich beleidigt bestimme ich selbst" - diesen Spruch habe ich gehört und behalten und er machte mir klar, dass nicht das Verhalten eines anderen mich zum Opfer macht, sondern ich mich selber durch mein Bezugnehmen auf das Verhalten eines anderen.
Wie auch immer man das Verhalten der Verführerin werten, beurteilen, sehen mag. Erst die Reaktion der Verehrerin und ihrer Fürsprecherinnen macht es zu dem, als was es im Raum steht. Als Erwachsene sind wir, abgesehen von körperlichen Übergriffen, selten Opfer der Handlung eines anderen, außer wir machen uns dazu. Was getroffen wird sind unsere Unzulänglichkeiten, unser Selbstwert, unser Ego. Wenn wir den Gefühlen folgen, die im Erwachsenenalter durch das Verhalten eines anderen ausgelöst werden, kommen wir in der Regel zurück in ein Stadium, in dem wir hilflos und abhängig waren. Solch ein Vorfall ist die Reaktivierung eines kindlichen Gefühls von "Ich will das haben und es wird mir von einem anderen weggenommen, der es auch haben will, weil ich es haben will, also schmolle ich". Es ist auch im Erwachsenenalter unschön, wenn mir das Ersehnte vor den Augen weggeschnappt wird, es obliegt aber einzig und alleine mir selbst, wie ich damit umgehe. Ob ich mich davon beleidigen lasse oder nicht. Ich kann leiden oder aus belastenden Gefühlen erwachsen. Diese Entscheidung liegt immer bei mir und ich habe die Wahl.



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