Abschied von einem Freund

Er sieht fast aus wie eine Palme vor Strandbungalows.

Aber es ist die Fichte, die ich viele Jahre von unserem Schlafzimmerfenster aus gesehen habe. Es ist der Baum, an dessen Zweige ich im Winter sehen konnte, ob es geschneit hat. Jedes Jahr im März weckte mich um 5 Uhr morgens einer der zurückgekehrten Singvögel mit einem Lied. Im Jahr unseres Einzugs schaute ich zu ihm auf, wenn ich nachts auf der Eingangstreppe sitzend meine Gute-Nacht-Zigarette rauchte.
Fast jedes Haus in unserer Straße wird von einem Riesen dieser Art bewacht. Vor 2 Wochen gab es einen heftigen Sturm. Der Wald hinter unserem Haus war gerade frisch aufgeräumt, als der Wind die Bäume wie Mikadostäbe durcheinanderwarf. Die halbstündige Joggingrunde wurde zu einem zweistündigen Abenteuer. Es gab keinen Weg mehr, nur noch kreuz- und querliegende Bäume, auf denen wir balancierten, dazwischen kleine Sümpfe, in denen sich das Wasser gesammelt hatte.
Vielleicht sieht man den Bewacher nun nicht mehr als Beschützer, sondern als Gefahr. Es wird nur noch 1- oder 2 Stunden dauern, dann hat unsere Straße einen Riesen weniger. Und ich einen Freund.
Danke für das vielfältige Leben, das du beherbergt hast und deine Freundschaft über all die Jahre, Baum!
Comes a time

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