Die Hexen sind wieder da!

In unserer Stadt gab es in einer kleinen Gasse einen Laden namens "Kräuter-Teufel". Betrieben wurde er vom Ehepaar Teufel. Wie der Name schon sagt, es gab dort Kräuter, Tee und Bonbons für alle Fälle und Wehwehchen. Das Schild in der Tür "Frischgemahlener Mohn" war durchgestrichen, da die Mohnmühle kaputt gegangen war.
Herr Teufel saß im Nebenraum und füllte Tee oder Kräuter in Tüten. Frau Teufel stand hinter der Ladentheke, beriet die Kunden und verkaufte.
Irgendwann wurde alles zu schwer für das Ehepaar und die Frage nach der Übernahme stand im Raum.
Vor kurzem gab es eine Einweihungsfeier und der Laden wird nun betrieben von den "Kräuterhexen". Ich traute mich hinein, ob Teufel oder Hexe, was solls?
Eine der Hexen hörte sich meine Wünsche an und mischte aus großen Schüben munter den Tee zusammen. Neben den bekannten Kräutern und dem echten Zimt gibt es Bertram und Galgant, Rezepte aller Art wie herzstärkenden Petersilienwein oder Schlafgut-Tee für Kinder.
Eine der Hexen gibt ihr Wissen bei Kräuterführungen weiter und anlässlich eines Geburtstages haben wir so eine Führung gebucht.
Im Wiesengrund schwärmten wir dann aus und sammelten nach Anleitung Kräuter für eine universelle Heilsalbe, deren Bestandteile so vielfältig sind wie die Beschwerden für die sie helfen soll. Hautbeschwerden, Rheuma, Füßejucken.
Wir staunten über all die Pracht, die wir bisher unwissend am Wegesrand gesehen, aber nicht zuordnen konnten, denn gegen (fast) alle Beschwerden ist ein Kraut gewachsen. Und das in allernächster Nähe. Das Tüpfeljohanniskraut hilft bei Verbrennungen, aus der Nachtkerze kann man selbst Kosmetik herstellen, da wächst Seifenkraut, das mit ein wenig Wasser die Hände sauber macht, das Berufskraut in ein Kissen genäht hilft bei Unentschlossenheit, zwischen Wilder Möhre und Schierling ist gut zu unterscheiden, denn sie sehen sich sehr ähnlich, das Leimkraut "leimt" Wunden, die Milch der Wolfsmilchgewächse hilft gegen Warzen, die Weide gegen Kopfschmerzen, der Spitzwegerich gegen Insektenstiche, das "Unkraut" Girsch hat viele Vitamine und kann im Salat genossen werden, der Knöterich wirkt als natürliches Antibiotikum und es gibt ein Kraut, das man sich bei müden Füßen in die Schuhe legt und es kann weitergehen. So viel Wissen innerhalb kürzester Zeit, kaum fassbar. Fleißig zupften wir nach Anleitung hier und da und kamen zurück zum Hexenhaus, wo dann ein Feuerchen geschürt und im Hexenkessel mit allerfeinstem Olivenöl die Kräuter gerührt wurden. Ganz wichtig sind die guten Gedanken, die dem Sud beigegeben werden. Mit Bienenwachs vermischt, wurde das Ganze durch ein Leintuch gesiebt und in kleine Döschen verschlossen. Jeder von uns durfte seine magische Salbe individuell beschriften.
Das Highlight der Tour war ein gedeckter Tisch in der Nähe eines Flüsschens, auf dem die Hexe anlässlich des Geburtstages gekühltes Quellwasser, Prosecco, Kräuterpesto auf Pumpernickel und Kräuterquark kredenzte.
Danke Hexe Edda für diese wunderschöne Feier der etwas anderen Art!

In vielen Städten werden inzwischen Kräuterführungen von "Kräuterweiblein" "Hexen" und "Druiden" angeboten. Das alte Wissen der Heilkunst und der Apotheke vor unserer Haustür wird gegen einen geringen Obolus weitergegeben. Wer Interesse hat wird fündig werden.




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