Frühstücksgespräch

Heute Morgen machte mich mein Mann auf einen Artikel aufmerksam.
Es ist ein Interview mit der Sängerin Norah Jones anlässlich ihres neuen Albums "Little Broken Hearts".
Norah Jones - ihre CD lief vor sieben Jahren täglich auf meinem Weg zur Arbeit. Wer mochte sie nicht? Sie war so etwas wie "everybodys darling". Sogar in den vorgefertigten Diddlemaus-Freundschaftsalben, die in der Grundschulklasse meines Sohnes umhergereicht wurden, stand in der Rubrik:
Lieblingssängerin: Norah Jones
Sie war tauglich für Grundschülerinnen, sowie für deren Mütter.

Und nun sagt die 33-jährige fünffache Grammypreisträgerin im Interview:
Der Erfolg traf mich aus heiterem Himmel und es war anfangs schwer, damit klarzukommen. Heute ist meine Welt voller kleiner Dinge, die gut klingen und die ich gerne tue. Das lasse ich mir nicht vom Erfolg kaputt machen.
Irgendetwas ist für mich nicht stimmig an diesen Worten, zumindest ist die Sichtweise ungewohnt. Wenn jemand von seinem Erfolg spricht, klingt das in der Regel positiv. Bei Norah Jones Zitat könnte man das Wort Erfolg durch das Wort Misserfolg ersetzen.
Erfolg kann einen also genauso wie Misserfolg aus heiterem Himmel treffen und die Dinge kaputt machen, die wir lieben. Dabei streben wir alle so sehr nach Erfolg.
Und ich denke an das Motto meines 16-jährigen Sohnes "Du musst am Nullpunkt angekommen sein, damit es wieder bergauf gehen kann". Bist du am Höhepunkt des Erfolgs angekommen, dann kann es nur bergab gehen - das ist die logische Konsequenz. Harmonie gibt es da, wo sich bergauf und bergab treffen - in der Mitte.

Im Song "She´s 22" geht es um einen Mann, der seine Frau für eine Jüngere verlässt und sie fragt ihn und sich selbst "Does she make you happy?" Der Titelsong "Little Broken Hearts" lässt darauf schließen, dass Norah eigene Erfahrungen verarbeitet hat. Norah ist 33 und ich denke an die Zeilen von Katie Melua, die sang "I am 22 but I act just like 17" und plötzlich fühle ich Endvierzigerin mich alt. Es ist ein gutes Gefühl. Diese Gedanken sind wie eine Rückschau auf mein eigenes Leben und ich lächle milde, als ich meiner besseren Hälfte, die neben mir am Frühstückstisch sitzt, die Worte Oskar Wildes zitiere "Jugend ist keine Qualität", woraufhin diese erwidert "Arroganz des Greisentums auch nicht".

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