Bob Geldof und Peaches

Die Nachricht, dass Peaches Honeyblossom Geldof tot in ihrem Haus aufgefunden wurde, macht seit Montag die Runde.
Während Bob Geldof unerschütterlich die große weite Welt retten will, zerbricht ein weiterer Teil seiner kleinen persönlichen Welt. Wie ein roter Faden zieht sich das Drama vom Tod junger Mütter durch sein Leben.
Er verlor die Mutter, als er 8 Jahre alt war. Seine Tochter Peaches verliert ihre Mutter mit 11 Jahren, die Adoptivtochter Tiger Lily ist erst  4. Die Söhne von Peaches sind 11 und 20 Monate alt.
Was passiert in dieser Familie?

Bob Geldof erstreitet das Sorgerecht für seine 3 Töchter, nachdem bei seiner Ex-Frau Drogen gefunden wurden. Nach deren Tod im Jahr 2000 erkämpfte er sich auch das Sorgerecht für Tiger Lily, einer weiteren Tochter von Paula Yates.
Beschrieben wird seine Musikerkarriere und naürlich sein soziales Engagement, allem voran die Live-Aid Konzerte, mit denen er den Hunger in Afrika lindern will. Seit 2003 gehört Bob auch der englischen Väterbewegung "Fathers Of Justice" an, aber nirgendwo steht etwas über sein väterliches Engagement den eigenen Kindern gegenüber. Bob Geldof konnte den Hunger in Afrika nicht aushalten. Wie stand es mit dem Hunger der Frauen in seiner Familie? Konnte er diesen stillen? Hat er ihn bemerkt, wahrgenommen?

In manchen Familien häufen sich Schicksalsschläge gleicher Art.
Bei den einen zerbricht jede Beziehung, in anderen bekommen die Frauen keine Kinder. Man könnte denken über diesen Familien liege ein Fluch. Der Fluch kann ein Muster sein - einmal mit einer starken Überzeugung gebildet und dann weitergegeben.
Ich kenne Menschen, die als Kriegswaisen vertrieben wurden und sich die Überzeugung bildeten "Alles, was ich liebe, verliere ich". Diese Überzeugung bringt sie in ein Dilemma. Sie dürfen niemanden lieben, weil sie ihn sonst verlieren. Die "Lieblosigkeit", in die sie sich begeben um keinen weiteren Verlust erleiden zu müssen, wird vom Partner aufgenommen und ist genau der Grund, warum der dann geht. Die Überzeugung "Alles, was ich liebe, verliere ich" wird somit bestätigt und mit einem "Hab ich es doch gewusst" bekräftigt. Ein Muster ist geschaffen und wird nicht selten weitervererbt. Unbewusst.
Ich habe eine junge Frau kennengelernt, glücklich verheiratet, die nicht schwanger wurde. In ihrer Familie wirkte die alte Überzeugung "Mit dem Mann, den ich liebe, kann ich kein Kind bekommen", gesetzt in einer Zeit, in der es noch keine Verhütungsmittel gab und es für Frauen lebensbedrohlich werden konnte, eine außereheliche Affäre zu haben und vom Geliebten schwanger zu werden.
Solche Familienmuster werden in großen Emotionen gestrickt, großem Verlust, tiefer Angst, Entwurzelung. Ihnen auf die Spur zu kommen, benötigt Detektivarbeit in der Familienhistorie.

Man kann denken, dass auf einer Familie ein Fluch liegt und an die verstimmte Fee glauben, die nicht zur Feier eingeladen war, weil ein Gedeck fehlte. Die ihrem Unbill darüber Luft macht, indem sie das unschuldige Kind in der Wiege mit einem Fluch belegt.
Man kann sich aber auch auf die Suche nach dem Ahnen und seiner Geschichte begeben, der sich in einer schrecklichen Situation eine Überzeugung bildete, die heute noch als Erbe an die Nachfahren weitergegeben wird und deren Glück sabotiert. Manchmal ist man selbst dieser Ahne.

In Bob Geldofs Umgebung sind die Frauen süchtig. Süchtig nach Aufmerksamkeit, nach Gesehen werden. Sucht kommt von Suche. Wenn wir nach etwas süchtig sind, suchen wird dort etwas, was uns fehlt. Etwas, wonach wir ausgehungert sind. Alkohol, Drogen, Aufmerksamkeit sind Ersatzmittel. Was fehlte diesen Frauen? Was wollte gesehen werden? Und was fehlt Bob Geldof? Vielleicht wäre es für seine Familie hilfreicher, wenn er den Hunger in sich selbst und den ihrigen stillen würde, anstatt die ganze Welt ernähren zu wollen.


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