Gastbeitrag: Brot backen in Zeiten von Corona

von Marciel Riemann

Die Corona-Pandemie zwingt uns zur Einkehr. Auch die, die arbeiten dürfen, werden die Verlangsamung der Prozesse merken. Nichts hat mehr diese Dringlichkeit – man weiß ja eigentlich nicht, was morgen kommt. Das ist auch für mich ein komisches Gefühl. Ich arbeite in den luftleeren Raum – gehöre aber auch nicht zu den systemrelevanten Berufen. Ich mache Marketing, entwickle Werbekonzepte, schreibe Texte für Produkte und Dienstleistungen, Luxus also. Wie viele andere von uns auch. Wer arbeitet heute noch wirklich systemrelevant? Die vielen Ingenieure für das neueste Update des MRT oder der neuesten Waschmaschine mit 8 Kilo-Zuladung, die vielen Beamten in der Verwaltung, die Mechatroniker für die kleinen Cabrios und großen SUVs, der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse, die Softwareentwickler in den Hightech-Firmen, die Heerscharen an Steuerberatern, Controllern, Reinigungsfachkräften, Musikern, Künstlern, Bauarbeitern, Designern und Unternehmensberatern? Wer ist wirklich systemrelevant? Und will ich überhaupt diese Unterscheidung treffen? Nein. Wer so entscheidet und steuert, bleibt im alten Denken einer Wirtschaft, die in der Ungleichheit ihren Antrieb findet. Konkurrenz belebt das Geschäft. Ach ja: Ich höre schon die Argumente: Der Kommunismus oder Sozialismus hat doch längst versagt und die Menschen auch nicht glücklicher, eher unglücklicher gemacht. Klar: Auch hier ging es in der Umsetzung nur darum, dass einige die Macht erlangen und zementieren, sich bereichern an den Anderen. Wertschätzung ist anders. Insofern sind Kapitalismus und Kommunismus eigentlich nur zwei Seiten einer Medaille – beide taugen nicht als Gesellschaftsmodell.

Was taugt aber dann?

Wenn ich das wüsste. Ich denke wir müssen unser Denken umstellen, unsere Einstellung zu unserem Sein. Wir merken ja gerade jetzt, dass wir ein Teil eines großen Ganzen sind. Wir sind eingebunden und abhängig, sind ein Teil der Natur, können mit ihr leben, aber sie nicht lenken. Sie, die Natur, lenkt uns, zeigt uns ihre Unabhängigkeit. Natürlich haben wir einen Einfluss auf das Geschehen – im Negativen als auch im Positiven, aber beherrschen? Wir sind Spielball, das zeigen uns Überschwemmungen, Vulkanausbrüche, Feuer oder Erdbeben immer wieder sehr anschaulich und auf dramatische Weise. Also was dann? Wir müssen begreifen, dass alles zusammenspielt, dass das berühmte Reiskorn in China durchaus eine Wirkung in Europa haben kann. Nichts ist ohne Folge. Auch im Miteinander. Hier beginnt unsere Verantwortung. Mit jedem Schritt, den ich tue, löse ich etwas aus. Manch einer sagt sogar mit jedem Gedanken. Beherzigen wir das, sollten wir uns bewusst werden, wie wir gerade leben, was wir tagtäglich tun, verbrauchen, konsumieren, genießen, nehmen. Auf alle Fälle zu viel. Wir beuten die Natur und uns kontinuierlich aus. Das wissen wir, nehmen wir wahr, aber lernen nicht daraus. Warum auch? Uns geht es ja gut und unsere Philosophie, unser Weltbild hat eine andere Basis. Das haben wir gelernt, über Generationen. Wir haben uns, auch ich mich, verloren. Wir haben kein Gefühl mehr für uns selber, die essentiellen Dinge des Lebens. Wir leben im Schein. Corona nimmt uns diesen Schein weg und lässt uns etwas hinter unsere bisherige Art zu leben schauen. Wir sollten es als Chance, gerne auch Hinweis von wem auch immer, begreifen. Jeder für sich und jeder für uns alle. Es geht darum eine (etwas) andere Welt zu schaffen, die Respekt zum Kern des Lebens macht. Eigentlich selbstverständlich, aber wir müssen es wieder lernen und leben, fühlen und begreifen.

Und das Brot?

Ach ja, danke für das Rezept aus dem Vollwert-Blog (https://vollwert-blog.de/schnelles-hefebrot/). Man braucht frische Hefe (1 Würfel), 650 g Mehl (wir haben Dinkelmehl, 1050, genommen), 500 ml lauwarmes Wasser, 2-3 gestrichene Teelöffel Salz (wir nehmen unjodiertes Meersalz ohne Rieselhilfe), Gewürze (hier verwenden wir das Brotgewürz von Edda, unserer „Kräuterhexe“ aus Erlangen) und Ölsaaten wie Kürbiskerne, Sonnenblumen etc. Die Hefe wird im Wasser aufgelöst, Mehl, Salz, Gewürze und Kürbiskerne werden vermischt, dann mit dem Wasser und der aufgelösten Hefe verknetet (ich mache es mit den Händen). Der Teig kommt in eine gefettete Kastenform. Oben mit einem Messer leicht „einschneiden“. Gebacken wird es 2 x 30 Minuten, die ersten auf der zweiten Schiene von unten mit Ober- und Unterhitze bei 250 Grad, die zweiten auf der unteren Schiene bei 200 Grad. Wir haben das Brot insgesamt 5 Minuten früher aus dem Ofen genommen, es war schon recht dunkel. Kurz abkühlen lassen, aus der Form nehmen und auf einen Rost stellen. Lecker. Und eine Erkenntnis haben wir auch mal wieder gewonnen: Ich brauche nicht viel, um mir eine Freude zu machen. Das tut gut. Brotbacken erdet.













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